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Die Familie Schlusnus

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34. Gr. Beynuhnen, sp. Großbeinuhnen

reformierte Kirchengemeinde

 

Ortsskizze von Werner Wilkat

Namensvarianten: Beynun, Bynunen, Großbeinuhnen

1. Zugehörigkeiten:

Ort Jahr Kirchspiel Amt Quelle
Gr. Beynuhnen 1818 Dombrowken Beynuhnen, Domin. VFFOW S 48
Gr. Beynuhnen 1863 Trempen kA Kühnast
Gr. Beynuhnen 1907 Dombrowken Kunigehlen VFFOW S 102
Gr. Beynuhnen 1912 Dombrowken kA VFFOW S 59
Gr. Beynuhnen 1939 kA kA Ortsliste 1939

 

gehörte 

kirchspielmäßig "1607-1647 zu Dombrowken, bis 1700 zu Trempen, 1727 zu Szabienen, 1825 zu Trempen und zuletzt zu Dombrowken".2)

1907 zum Standesamt Dombrowken, 1927 zum Amtsgerichtsbezirk Darkehmen und zum Postbezirk Kunigehlen.

 

 

2. Einwohnerzahlen:

Jahr Einwohner
1818 156
1863 378
1907 281
1925 233
1933 237
1939 215

 

3. Geschichte:

Am 13.08. 1560 wird "Beinuhnen" bei der 2. Schliebenschen Güterteilung als litauisches Dorf erwähnt (Rogge, 5).

Das reformierte Kirchspiel in Beynuhnen

 

"Zum Kspl Tr. [Trempen] gehört Groß-Beynuhnen, 8 km Lftl. s.s.ö. von Trempen.

Hier baute der Graf Alexander von Dönhof 1725 eine ev. Pfarrkirche für die Reformierten. Ein fester Sprengel konnte dieser Kirche nicht angewiesen werden, weil die Reformierten mitten unter den Lutheranern wohnten.

Lucanus, Msc. von 1718 v. Wallenrodtsche Bibl. 759 f. [gemeint ist sicher das 1748 erschienene dreibändige Werk des Insterburger Hofgerichtsrat August Hermann Lucanus "Preußens uralter und heutiger Zustand"] beschreibt die Kirche folgendermaßen: ' Die Kirche ist vor die reformirten Glaubensgenossen prächtig und massiv an einem platten Hügel erbauet und 1739 eingeweiht worden, der Glockenturm aber nur bis an das Dach aufgeführet. In der Kirche siehet man ein geraumes, tiefes Gewölbe zur gräflichen Gruft angehänget, darüber die Sakristei und über dieser noch ein anderes Zimmer sich befindet. Das ganze Kirchgebäude ist so in- als auswendig zu solcher Schönheit gestiegen, daß es an regelmäßiger Baukunst alle umbliegenden Gotteshäuser übertrifft und keine Kosten, sowohl an dem Gebäude selbst, als an dem trefflichen Kirchengeräth gespart worden. Über dem Eingange ist eine Inschrift, sammt denen in Quadersteinen gehauenen gräflichen Wappen zu sehen. Daneben steht ein ansehnlich massives Predigerhaus, mit seinen gemauerten Seitengebäuden, dahinter aber trifft man einen artig gemauerten Garten, worin der Eigenthümer Graf Alexander von Dönhof es an nichts fehlen lassen, was selbigen nützlich und brauchbar machen kann.'

Im J. 1819 hielt Konsistorialrat Luels nur noch zwei Mal im Jahre Gottesdienst in der Kapelle. Der lutherische Kriegsrat von Farenheid wollte dieselbe nach Einführung der Union dem Staate überlassen, verlangte jedoch, daß sie abgebrochen und an einem anderen Orte erbaut würde. Das das Gebäude aus lauter behauenen Quadersteinen bestand, so wäre ein Transport desselben leicht möglich gewesen, doch ging der Fiskus nicht auf das Projekt ein. Die Kirche wurde abgebrochen. Ihre köstlichen Quadern dienen noch jetzt an manchen Häusern der Umgegend als Thürschwellen, ihre wohlklingenden Glocken wurden der Kirche Szabienen überwiesen, s. Seite 129."1)

(Adolf Boetticher: Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen, Bd. 5: Litauen. Königsberg 1895)

Die größte Glocke hatte einen Kranzumfang von 2,56 m und eine Höhe von 0,70 m und trug folgende Inschrift: "HErr, Frühe wollest Tu meine Stimme Hören; Frühe Will Ich Mich Zu Dir Schicken Psl. V 6. Alexander, Des Heyl. Röm. Reiches Graf v. Dönhoff, Herr von Gr. u. Kl. Benounen, Gr. u. Kl. Sobrost, Auerfluß, Osznagorren etc. Sr. Königl. Maj. In. Preuß. Wohlbest. Gen.Major u. Obrist üb. Ein Regiment Zu Fuß, nebst Fr. Gemahlin Charl. Luise Gräfin v. Blumenthal Aus dem hause Bretschen In Der Nied. Lausitz, Haben Diese III Glocken Zu der Gr Benouns Von Ihnen Gott zu Ehren Fundirten u. von Grund Auf Neu Erbaut: Reformiert: Kirche: Wehrend Minist. Des. in Ao 1721 Von Ihnen vociert. I. Prediger Joh. Conr. Frank Aus Hß: C. Geburt Gießen Lassen Ao. 1729 Durch J. P. Meurer." (wie 1))

Die Reformierte Kirche gehörte zur oberländischen Inspektion und wurde 1740 zum ersten Male inspiziert. Die Gemeinde setzte sich vornehmlich aus Reformierten der Kirchspiele Dombrowken und Trempen zusammen. "Als Giegelsberger [1762] starb, war Alexanders Witwe alt und nicht mehr so an dem Wohlergehen ihrer Kirche in Beynuhnen interessiert wie in jungen Jahren. Nach ihrem Tode (1768) wurde erst recht nicht an eine Wiederbesetzung der Pfarrstelle gedacht. Lediglich die Schule wurde mit einem reformierten Lehrer besetzt; noch 1809 soll sie einen reformierten Kantor gehabt haben. Die Kirche wurde aber nur mehr von den benachbarten reformierten Geistlichen versorgt. Als letzter Geistlicher hat in ihr der in Insterburg geborene Superintendent und spätere Konsitorialrat der Reformierten Gumbinnenschen Inspektion Joh. Ernst Lüls gepredigt; 1819 ist er gerade zweimal in Beynuhnen gewesen." (wie 1))

"Im Jahre 1794 verkaufte der Graf von Dönhoff die Beynuhnenschen Güter an den Kriegsrat von Farenheid. Dieser stellte einen Schneidermeister namens Abraham Süpplie als Kantor bei der Kirche an, der nun auch gleichfalls die Schule versah und sein Gehalt aus der Kirchspiels-Schulkasse zu Trempen und aus dem Gute Klein Beynuhnen bezog. Der Sohn und Nachfolger, Herr von Farenheid auf Angerapp, beantragte, daß zu der Kirche in Gr. Beynuhnen ein Kirchspiel gebildet werden sollte. Er erhielt aber von der Kgl. Regierung den Bescheid, daß erst nach dem Ableben der damaligen Geistlichen von Darkehmen, Trempen und Dombrowken an die Abtrennung einiger Ortschaften zur Bildung eines neuen Kirchspiels gedacht werden könne. [...] Die Notwendigkeit für das Bestehen der Kirche hörte auf, als sich im Jahre 1817 die Reformierten und Lutheraner zur Union zusammenschlossen." (Heimatkundliche Blätter, Nr. 8 v. 07.08.1932, S. 38)

"Der Kriegsrat bot daher das Kirchengrundstück mit allen Gebäuden der Regierung in Gumbinnen kostenlos an zur Errichtung eines Lehrerseminars. Die Regierung lehnte aber ab: Es wäre bei den grundlosen Wegen zu beschwerlich, den Arzt dorthin zu schaffen. So wurde das Seminar nach Angerburg verlegt. Der Kriegsrat von Farenheid beschloß jetzt, die Kirche abzubrechen. Das geschah im Jahre 1819. Die gewaltigen Steine wurden zu anderen Zwecken verwandt. Die Quadersteine dienen noch heute an manchen Häusern als Treppenstufen, so an dem Pfarrhaus in Dombrowken. Zwei Glocken der abgebrochenen Kirche kamen nach Schabienen, wo sie noch heute zum Gottesdienste rufen." (ebd., S. 37)

"[...] die Kirchenregister der Beynuhner Kirche, die Taufbücher und alle anderen Register sind verschwunden und noch nicht wiedergefunden." (wie 1))

Pfarrer waren:

August 1721-1731: Johann Conrad Franck * 03.02.1687 Grafschaft Ziegenhain + 07.04.1740 Memel. "Er soll bereits im August 1721 nach Beynuhnen berufen worden sein. Er war in der Grafschaft Ziegenhain in Hessen-Cassel zuhause. Nach einer anderen Nachricht soll er aus der Schweiz stammen und nur vorübergehend in Cassel gewohnt haben. Sicher ist, daß er im Mai 1722 in Beynuhnen war. Aber auch hier war seines Wirkens nicht lange. Es gab ja in Ostpreußen viele reformierte Gemeinden, - infolge des Handels in den Hafenstädten wieder ganz besonders große, und so wurde Franck 1731 nach Pillau [Introduktion am 09.09.1731] und von dort [am 21.12.] 1738 nach Memel berufen, wo er, 54 Jahre alt, 1740 gestorben ist." (wie 1)) Er war verheiratet mit Helena Amalia Dorothea Winold (* ~ 1700 + 15.09.1767 Memel) und hatte mit ihr drei Kinder.3) Nach Beynuhnen kam er, nachdem Graf Dönhoff ihn in kurhessischen Diensten kennen gelernt hatte.4)

1731-?: Johann Georg Ulrich.

bis 1762?: Giegelsberger.


Quellen/Bemerkungen:

1) Walsdorff (Pfarrer Hellmut Walsdorff, Schabienen: Die Reformierte Kirche in Beynuhnen, in: Heimatkundliche Blätter, Nr. 25 v. 14.07.1935, S. 175-177) zitiert ebenfalls aus dem Lucanus, wobei festzustellen ist, dass der Text bei Walsdorff und bei Boetticher nicht komplett übereinstimmt. Walsdorff weiß auch ergänzend zu berichten, dass zwei der drei Glocken seit 1830 in der Szabiener Kirche läuten, die dritte auf dem Gut in Beynuhnen in Gebrauch ist. Er bezieht sich im übrigen auf: Machholz, E.: Materialien zur Geschichte der Reformierten in Altpreußen ... Lötzen 1912, S. 184; siehe auch Walsdorffs Aufsatz in APG 9, S. 369.

2) Angerapper Heimatbrief 1994, S. 15

3) APG 1936, S. 6. Kinder von Johann Conrad Franck:

1. Dorothea Wilhelmina Franck * (1721) + 12.07.1784 Memel oo 25.09.1742 Memel mit Wilhelm Douglas, Kaufmann (** 23.01.1718 Memel + 02.05.1758 Memel)

2. Carl Adolph Franck, Informator am Waisenhause in Potsdam, am 13.12.1749 Pate in Memel

3. Carl Friedrich Franck, reformierter Prediger in Hohenbruch, am 27.06.1768 Pate in Memel

(ebd.)

4) Ulrich Schoenborn: "... ich sehe die Fußstapffen der Providentz Gottes". Zum Wirken des hessischen Theologen Conrad Mel (1666-1733 in Mitau, Memel und Königsberg (Arbeiten zur historischen und systematischen Theologie). Berlin 2006, S. 33.

für alle Pfarrer: VFFOW 11

 

Seite erstellt: 21.11.09

zuletzt geändert: 23.02.12