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Daten-CD

 

 


Kirchspiel Gr.-Karpowen

 

Das Kirchspiel Gr.-Karpowen wurde offiziell am 1. Januar 1863 gegründet. Aber bereits 1847 wurde mit den Vorbereitungen begonnen, als ein provisorischer Hilfsgeistlicher in Trempen (s.u.) "für die neu zu gründende Kirchenanstalt in Gr. Karpowen" (VFFOW 70, 179) ernannt wird. Ein zeitgenössischer Zeitungsartikel sei hier zitiert:

"Ein evangelisches Bethaus in Karpowen, Kr. Darkehmen im Kirchspiele Trempen, ist am 15. Sept. [1847] feierlich eingeweiht worden. Von dem Kirchspiele Trempen sind 5 Ortschaften mit 2000 Seelen abgezweigt, späterhin sollen zu diesen noch andere 2000 Seelen der Kirchspiele Nordenburg und Dombrowken hinzukommen, um eine neue Kirchengemeinde von 4000 Seelen zu bilden, welche in Gr. Karpowen eine Stätte ihrer Anbetung finden sollen. Vorläufig ist dazu unter Mitwirkung des Gutsherrn v. Buchholz aus Karpowen nur ein Stübchen, welches fünfzig Personen zu fassen vermag, eingerichtet; indessen hat sich der genannte Gutsherr bereit erklärt, ein etwa 300 Personen fassendes Gebäude mit Nächstem herzustellen. Die Gründung dieses neuen Kirchspiels, deren mehrere in Lithauen bald nachfolgen dürften, ist eine nicht hoch genug anzuschlagende Wohlthat für diese Gegend, wo die weiten Bezirke mehrerer Mutterkirchen eine geordnete Seelsorge dem Geistlichen, selbst bei dem besten Willen, oft unmöglich machen."4)

Die Gründungsurkunde des Kirchspiels datiert vom 20.10.1862. Gebaut wurde die Kirche wohl schon im Jahre 1860, offiziell eingeweiht wurde sie jedoch erst 1898.

1912 hatte das Kirchspiel 3.160 Einwohner sowie 8 Schulen mit 9 Lehrern. Es handelte sich um eine Kirche Königlichen Patronats.
Zum Kirchspiel gehören 1912 folgende Orte (*  hinter dem Ortsnamen bedeutet, dass eine Schule vorhanden war):

Außerdem gehörten zum Kirchspiel Gr.-Karpowen mehrere Orte aus dem Kreis Gerdauen.

Anlässlich einer Kirchenvisitation im Jahre 1910 wurde festgestellt, dass die Orgel genügend und das Orgelspiel befriedigend sind. Zum Zustand der Kirche wird nichts gesagt.

Zur Frage des Litauertums hat Kreisschulrat Christoph Kairies (gest. 1951) aus Tilsit in einer im Auftrage des Reichs- und Staatskommissars für das Memelgebiet erstellten Dokumentation im Juli 1921 auf Grund einer Anfrage an die betreffenden Geistlichen festgestellt: "Seit 1863 keine Spur des litauischen Volkstums mehr, der dortige Geistliche ist der litauischen Sprache mächtig, hat aber in seinem Kirchspiel keinen Litauer gefunden."

Die Kirche überstand den Krieg unversehrt und wurde nach 1945 als Lagerhalle genutzt. In die Südseite wurde eine quadratische Öffnung geschlagen, wohl als Fahrzeug-Zugang. Fenster und Zugänge sind ansonsten zugemauert. Seit 1995 wird die Kirche nicht mehr genutzt und verfällt.


Zustand der Kirche in Gr. Karpowen 2006

(Quelle: www.ostpreussen.net)

 

Mehr Informationen zum Kirchspiel: www.karpauen.de.

 

Pfarrer waren:

1847-1856: Alexander Franz Friedrich Wilhelm Besch. Geboren am 15.12.1812 in Saalau bei Insterburg als 5. Sohn des Stadt- und Landgerichtsrats in Braunsberg Heinrich August Besch (** 16.04.1777 Danzig + 08.04.1848 Königsberg/Pr.) und dessen Ehefrau (oo 06.06.1802 Königsberg/Pr.) Johanna Juliane (Julie) geb. Traber (* 13.05.1778, Tochter des Gold- und Silberarbeiters Johann Carl Traber aus Danzig). Studierte Theologie an der Universität Königsberg seit dem Wintersemester 1836/37. 1842 machte er sein erstes, 1844 sein zweites Examen. War danach Hauslehrer bei der Familie von Saucken in Tarputschen. Wurde 1847 zum prov. Hilfsprediger in Trempen für die neugegründete Kirche in Gr. Karpowen ordiniert (VFFOW 70, 179). Am 27.04.1856 wurde er als Pfarrer in Waltersdorf, Krs. Heiligenbeil eingeführt. Emeritierte am 01.10.1874 und verbrachte seinen Ruhestand in Braunsberg, wo er am 18.04.1875 starb. War seit ca. 1849 verheiratet mit Mathilde geb. Manstein (* 07.04.1816 Königsberg/Pr. + 23.04.1890 Braunsberg, Tochter des Kammerkalkulators und späteren Hospital- und Oberinspektors in Königsberg/Pr. Karl Ludwig Mansstein und dessen Frau Faustina geb. von Krajewski). Da die Ehe kinderlos blieb, nahm das Ehepaar ein Mädchen als Pflegetochter an, dessen Eltern an der Cholera gestorben waren: Karoline (Lina) Wilhelmine Kokanski (* 06.04.1853 Königsberg/Pr.), die am 31.07.1874 in Königsberg/Pr. den Lehrer August Kickbusch heiratete.1)

1856-1863: Johann Eduard Siebert, vorher Pfarramtskandidat und Rektor in Schippenbeil. Er wird noch 1863 als "Pfarramtsverweser" bezeichnet. 1863 ging er als Pfarrer nach Puschdorf, Krs. Insterburg, wo er bis 1867 amtierte. Von 1867 bis 1890 war er Pfarrer in Norkitten, Krs. Insterburg. Er hatte mindestens einen Sohn Johann Friedrich Karl (1897-1903 ebenfalls Pfarrer in Puschdorf, ging 1903 in den Schuldienst und lebte später als Schulrat in Allenstein).

1864-1870 Eduard Heinrich Arthur von Schäwen (Schaewen), der erste "offizielle" Pfarrer des Kirchspiels, war vorher Pfarramtskandidat und Präzentor in Piktupönen war. 1870 ging er nach Schaaken, Krs. Königsberg, wo er bis 1885 als Pfarrer amtierte.

1870-1882: Wilhelm Gustav Adolf Dittmar (* 01.01.1842 + 25.07.1910 Tapiau). Dittmar war von 1867-1870 Hilfsprediger in Königsberg/Pr. Ging 1882 als Pfarrer nach Saalau, wo er bis 1892 blieb. Danach war er von 1892-1905 Pfarrer an der Stadtkirche von Tapiau und wurde dort Superintendent. Er heiratete am 20.12.1872 in Königsberg/Pr.2)

1883-1892: Johann Friedrich Otto Lange. Kam aus Gerdauen, wo er von 1882 bis 1883 Diakon und 2. Pfarrer gewesen ist.

1892-1904: Karl Robert Bruno Strehl. Er soll ein Verwandter der Familie Vossius gewesen sein, die mit Heinrich Vossius um 1900 den Pfarrer von Kleszowen stellte. Strehl wurde 1904 nach Jodlauken, Kreis Insterburg, versetzt, wo er bis 1927 im Amt war.

1904-1906: Heinrich Johannes Franz Szczybalski (Schibalski) (* 1872). Danach Pfarrer in Trempen (weitere Angaben siehe dort).

1906-1928?: Dr. Ernst Rudolf Max Wohlfromm (* 14.09.1862 Kinten, Krs. Heydekrug). Abitur am Gymnasium Tilsit im Herbst 1885, Studium der Theologie, Philologie und Philosophie in Königsberg i. Pr. 1893-1895 zuerst Hilfsprediger, dann bis 1906 Pfarrer in Skaisgirren, Krs. Niederung. Soll danach eine Pfarrstelle in Osterode erhalten haben, wird dort aber bei VFFOW 11 nicht geführt. Eine Kurzbiografie ist in seiner 1910 in Leipzig gedruckten Dissertation "Untersuchungen zur Syntax des Codex Hammurabi's" enthalten. Sie konnte bisher nicht ausgewertet werden.

1929-1931: Hilfsprediger Hegener. Die Information stammt von http://www.karpauen.de/Pfarrer.htm. Moeller (VFFOW 11) nennt ihn nicht, wohl aber einen Erich Hegner, der bis 1938 Hilfsprediger in Kurken, Krs. Hohenstein, war.

1932-1934: Dietrich Glüer, der schon 1931 Hilfsprediger war. 1934 wurde Glüer, Gutsbesitzersohn aus Gergehnen im Kreis Mohrungen und Bruder von Pfarrer Otto Glüer in Groß Schmückwalde, gegen den Widerstand des Ortsgruppenleiters der NSDAP Pfarrer in Kraplau3). Dort blieb er bis 1945.

1934-1945: Ernst Salkowski. Es scheint zwei Pfarrer mit diesem Namen gegeben zu haben, vielleicht Vater und Sohn. Pfarrer mit dem Namen Ernst Salkowski verzeichnet VFFOW 11: 1919-1934? als Pfarrer in St. Johannis in Marienburg, 1934 in Stockheim, Krs. Friedland, 1935-1936 als Hilfsprediger in Liebwalde und 1936-1937 ebenfalls als Hilfsprediger in Weinsdorf, Krs. Saalfeld.


Hilfsprediger:

Außer den vier  oben genannten Pfarrern Besch und Siebert, die offiziell Hilfsprediger waren, weil das Kirchspiel erst 1863 gegründet wurde, sowie Hegener und Glüer wird genannt:

1896: Fedor Hugo Gerlach, der auch schon 1895 in Ballethen in gleicher Funktion tätig war.


Quellen:

1) VFFOW 11 II, S. 109

2)  Deutsches Geschlechterbuch Band 126, S. 310 (noch nicht ausgewertet)

3) www.ostpreussen.net

4) Allgemeine Kirchenzeitung. Ein Archiv für die neueste Geschichte und Statistik der christlichen Kirche nebst einer kirchenhistorischen und kirchenrechtlichen Urkundensammlung. 26 Jg. 1847, S. 1375

 

für die Pfarrer und Hilfsprediger: VFFOW 11

siehe auch: http://www.karpauen.de/Pfarrer.htm


Seite erstellt am 12.03.2007

letzte Änderung: 31.01.2012