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Daten-CD

 

 


Kirchspiel Kleszowen

Das Kirchspiel Kleszowen wurde 1701 gegründet. 1912 hatte es 2.654 Einwohner sowie 6 Schulen mit 7 Lehrern. Patronin war 1912 Frau Rittergutsbesitzerin v. Sperber-Kleszowen. 

Zum Kirchspiel gehören 1912 folgende Orte (*  hinter dem Ortsnamen bedeutet, dass eine Schule vorhanden war):

Anlässlich einer Kirchenvisitation im Jahre 1910 wurde festgestellt, dass bei der Kirche ein Turm fehlt. Die Orgel wird als gut, das Orgelspiel als besonders gut bezeichnet.

Zur Frage des Litauertums hat Kreisschulrat Christoph Kairies (gest. 1951) aus Tilsit in einer im Auftrage des Reichs- und Staatskommissars für das Memelgebiet erstellten Dokumentation im Juli 1921 auf Grund einer Anfrage an die betreffenden Geistlichen festgestellt: "Kein litauischer Gottesdienst, keine Litauer; die Pfarrstelle war um 1800 dreisprachig (deutsch, litauisch, masurisch); der letzte litauische Gottesdienst fand 1830, das letzte litauische Begräbnis 1860 statt."


Pfarrer waren:

1701-1715: Christoph Geystadt (* 1667 Pillau). War 1692 Kantor in Kauen und kam 1701 nach Kleszowen. 1715 ging er nach Tollmingkehmen, wo er bis 1725 Pfarrer war. Von 1725 bis 1735 amtierte er als Pfarrer an der Stadtkirche von Gumbinnen.

1715-1737: Johann Jacob Pauli. War vorher von 1711 bis 1715 Pfarrer in Tollmingkehmen. Tauschte mit seinem Vorgänger Geystadt die Gemeinden.

1737-1749: Johann Friedrich Wengorovius (+ 22.06.1769 Werden). Um 1728 Studium in Königsberg. Heirat ca. 1735/1740 mit Louisa NN (+ > 1788), mit der fünf Kinder hatte17). War 1736-1737 Katechet in Berschkallen, Krs. Insterburg. Nach seiner Amtszeit in Kleszowen wurde er nach Wischwill, Krs. Ragnit, versetzt, wo er von 1749-1759 Pfarrer war. In Wischwill wurde am 23.06.1758 seine am 19.06.1758 in Trappöhnen geborene Tochter Barbara Elisabeth Beata getauft. Anschließend vom 11.10.1759 bis 1769 Pfarrer in Werden, Krs. Heydekrug.

1749-1765: Paul Schröder, später Pfarrer in Ballethen.

1765-1780: Johann Friedrich Pusch (* 22.04.1738 Szirgupönen als Sohn des Christian Jonas Pusch + 05.05.1801 Pillkallen). War verheiratet mit Wilhelmine Elisabeth von Hippel (* 01.10.1760 Rastenburg + 04.03.1843 Tilsit), mit der eine Tochter Eleonore Wilhelmine (* 21.02.1780 Kleszowen + 19.04.1851 Jodupönen) hatte15). Im April 1780 als Pfarrer nach Pillkallen versetzt.7)  

1780-1800: Joh. Michael Cibrovius, "geboren 1733 zu Ragnit. Er wurde 1761 Cantor in Goldapp, und im Jahr 1780 den 28. April als hiesiger Pfarrer ordinirt. Er starb 1800 den 5. März."7) Cibrovius war ein vielbelesener Mann, er taucht in einigen zeitgenössischen Werken als Subskribent auf.

1800-1802: Bernhard August Förster, "in Szirgupönen [Rhesa: 10.11.1774 in Gawaiten] geboren, kam von Tollmingkehmen, wo er Präcentor gewesen war, hieher und wurde den 29. Juni 1800 als Pfarrer introducirt. Im Jahre 1802 ging er als Pfarrer nach Szirgupönen"7), wo er am 22.08.1802 introduziert wurde. Ob er der Sohn seines Amtsvorgängers Johann Heinrich Förster (* ~ 1733 + 09.03.1802 Szirgupönen) war? Dort blieb er bis 1808, als er Pfarrer in Heinrichswalde wurde, wo er 1831 starb. Theologiestudium in Königsberg seit Sommer 1791.

1802-1818: Johann Bernhard Wach, "geboren in Goldapp 1769, war zuerst Präcentor in Mehlkehmen, wurde den 24. October 1802 hier und im November [am 15.] 1818 in Tollmingkehmen als Pfarrer introducirt."7) Er starb am 16.01.1819.

1819- 10.06.1825: Johann Ernst Haack, "geboren in Plibischken den 22. Februar 1786, war zuerst Cantor in Darkehmen, nachher Rector in Schirwindt; wurde den 22. März 1819 ordinirt und den 25. Juli desselben Jahres in dieses Pfarramt eingeführt. Im Jahre 1825 ging er als Pfarrer nach Szabinen."2),7) 

01.08.1825-1834: Carl August Eduard Werner "ist in Bartenstein den 6. November 1798 geboren. Er war den 8. Juli 1825 zu diesem Pfarramte ordinirt und den 28. August desselben Jahres in dasselbe eingeführt."7) Wurde als Pfarramtskandidat von der Lehnspatronin der Kirche zum Pfarrer berufen (VFFOW 70, 59). Von 1834 bis 1868 war er Pfarrer in Saalau, Krs. Insterburg. 

1834-1852: Ernst Hermann Gustav Böhmer.  Geboren am 29.01.1809 in Georgenburg als Sohn des Pfarrers in Georgenburg Ludwig Böhmer (1771-1835; in Georgenburg von 1802-1812, danach in Kraupischken). Theologiestudium an der Universität Königsberg/Pr. seit 24.10.1828. Wurde im März 1834 als Pfarramts-Adjunkt in Saalau ordiniert und noch im gleichen Jahr Pfarrer in Kleszowen. Heiratete am 07.09.1838 in Tollmingkehmen4) oder Sodehnen6) Catharina Hulda geb. Kaeswurm (* 14.09.1819 Sodehnen + 01.03.1887 Königsberg/Pr., Tochter des Gutsbesitzers in Sodehnen, Kreis Stallupönen, Johann Kaeswurm und dessen Ehefrau Elisabeth geb. Steiner), mit der er drei Kinder hatte. Er starb am 17.10.1852 an gastrisch nervösem Fieber in Kleszowen.4)

1853-1867: Viktor Wilhelm Alexander Zippel, vorher Pfarramtskandidat (VFFOW 70, 243). Er ist in Kleszowen verstorben, wahrscheinlich 1867. Sein Nekrolog ist im Evangelischen Gemeindeblatt für Ost- und Westpreußen (Jahrg. 1867, S. 51) enthalten. Er konnte bislang nicht ausgewertet werden. Ein Sohn Friedrich Bernhard (* ~ 1854 Kleszowen) war 6 1/2 Jahre lang Schüler am Friedrichsgymnasium zu Gumbinnen; er beabsichtigte 1873, in Tübingen Theologie zu studieren.

1868-1878: Carl Friedrich Rudolph Willimzig, vorher Rektor der Stadtschule in Goldap, bekommt 1862 nach VFFOW 70, S. 335 die erledigte Hauptprediger- und Rektorstelle in Darkehmen übertragen. In VFFOW 11 wird er allerdings als 2. Pfarrer und Diakon bezeichnet. 1868 wird er als 2. Prediger in Darkehmen nach Kleszowen berufen (VFFOW 70, 400). Hier bleibt er bis 1878. Anschließend ist er von 1878-1903 Pfarrer in Schippenbeil, Krs. Friedland.

1879-1880: Adolph Eduard Rudloff (* 31.08.1835 Ortelsburg + 26.05.1895 Hohenstein oo 14.10.1864 Szillen mit Lina Agathe Antonie geb. Herford)16). War von 1862 bis 1864 Hilfsprediger in Marggrabowa und von 1864 bis 1879 Pfarrer in Rauschken, Krs. Hohenstein. 1880 ging er nach Hohenstein, wo er bis 1893 als Pfarrer amtierte.

1880-1888: Albert Leonhard Helmut Wodaege. Kam aus Allenburg, Krs. Wehlau, wo er von 1877 bis 1880 Pfarrer war. In Kleszowen scheint am 27.03.1881 ein Sohn Siegfried geboren zu sein, der später ebenfalls Pfarrer wurde. Der Verbleib in den Jahren 1888 bis 1890 ist ungeklärt. Für die Zeit von 1890 bis 1892 wird er als Pfarrer in Heilsberg, Krs. Braunsberg, geführt. 1892-1899 dann Pfarrer an der Alten Kirche in Goldap.

1888-1904: Heinrich Otto Walter Vossius. Kam aus Cranz, Krs. Königsberg, wo er von 1886 bis 1888 Pfarrer war. Wurde 1904 an die Pfarrkirche von Wartenburg, Krs. Allenstein, versetzt, wo er bis 1908 im Amt war.

1904-1908: Gustav Eduard Emil Bergius. Geboren am 18.01.1876. War Ostern 1900 Kandidat am Prediger-Seminar in Wittenburg/Westpr. und wurde am 01.02.1903 in Königsberg/Pr. als dritter Geistlicher an der Heil- und Pflegeanstalt der Inneren Mission in Carlshof bei Rastenburg ordiniert. Nach seiner Zeit in Kleszowen ging er 1908 als zweiter Anstaltspfarrer zurück nach Carlshof, wo er am 12.11.1914 starb.3)

1908-1912: Alexander Heinrich Paul Hoffmann (* 1876 + 1945 Cranz), der zum jungen Geistlichen-Nachwuchs gehört und sich sehr erfreulich entwickelt. Seine Stellung zur Gemeinde ist jeder Anerkennung wert; ebenso seine Lebenshaltung und seine vorwärtsstrebende Treue, wie es in einem Visitationsbericht aus dem Jahre 1910 heißt. War von 1903 bis 1908 Hilfsprediger in Marienfelde, Diöz. Osterode. Der Verbleib in der Zeit von 1912 bis 1916 ist noch ungeklärt.Von 1916 bis 1945 war er Pfarrer in Walterkehmen, Krs. Gumbinnen. Er hatte fünf Kinder, die das Friedrichsgymnasium in Gumbinnen besuchten. Der jüngste Sohn hieß wie der Vater Paul.

1913-1921: Anton Cäsar Doskocil (* 03.12.1884 Merunen, Krs. Treuburg). Er war von 1911-1913 Hilfsprediger in Braunsberg. Während seiner Zeit in Kleszowen verfasste er das Buch "Ostpreußens Kriegsnot in Bildern aus der Gemeinde Kleszowen, Kreis Darkehmen".11) 1921 ging er Pfarrer nach Tharau, Krs. Pr. Eylau, wo er bis 1932 blieb. Von 1932-1945 war er Pfarrer und Superintendent in Labiau. Er war Vorsitzender der ostpreußischen Dorfkirchenvereinigung. Im Jahre 1926 wurde unter seiner wesentlichen Mitwirkung eine ostpreußische Kirchenabteilung im Prussia-Museum eingerichtet, die Kunstgegenstände von kirchen- und heimatgeschichtlicher Bedeutung aus kirchlichem Besitz enthielt.9) Verfasser vieler kirchen- und heimatkundlicher Bücher, besonders aus dem Kreis Labiau. Wohnte 1974 in Buxtehude, Altländer Str. 19, und feierte dort seinen 90. Geburtstag.10) Als er starb, widmete ihm der Kreisvertreter der Kreisgemeinschaft Labiau einen Nachruf.12)

1921-1926: Alexander Wiedow. War zuvor von 1919 bis 1921 2. Pfarrer in Landsberg, Krs. Pr. Eylau. Er war danach Pfarrer an der Kapernaumkirche in Berlin. Allerdings kann, falls es sich um die selbe Person handelt, der auf der Homepage der Kirchengemeinde angegebene Zeitraum 1918-1940 nicht stimmen.

Herbst 1926 - Herbst 1936: Helmut Gottfried Oswald Liedtke (* 07.01.1893 Dombrowken + 03.04.1968). Er war ein Sohn des Pfarrers Liedtke in Dombrowken (weitere Informationen zu Vorfahren siehe dort). Abitur, ab 1912 sieben Semester Theologiestudium an der Universität Königsberg. Im Sommer 1915 wohnhaft in Königsberg, Schillerstr. 3/5, Heeres- und Kriegsdienst.18) Kam aus Gr. Schorellen, Krs. Pillkallen, wo er von Herbst 1922 bis Herbst 1926 Pfarrer war, nach Kleszowen. Seit 1932 Mitglied des Kreisvereins für Heimatforschung Darkehmen. Zum 01.01.1937 ging er als 1. Pfarrer an der Stadtkirche und Superintendent nach Osterode, wo er bis zum 21.01.1945 blieb. Er war verheiratet mit Frida geb. Thulcke. Während der Zeit seines Pastorats in Kleszowen wurde ein Sohn Oswald Heinrich Reinhold (* 13.08.1928 Insterburg) geboren. Liedtke hatte den Russeneinfall von 1914 und die Plünderung seines Vaterhauses miterlebt und hatte rechtzeitig vor dem Einmarsch der Sowjetarmee 1944/45 Kisten mit persönlichen Sachen und auch genealogischen Aufzeichnungen nach Mitteldeutschland verschickt. Nach der Flucht war er Pfarrer in drei Gemeinden in Mecklenburg und Sachsen. zum 01.08.1954 wurde er pensioniert. Seit 1958 lebte er in Hennef, wo er am 03.04.1968 verstarb. Im Ostpreußenblatt gab es zwei Nachrufe.14)

1939-1945: Günther Warm. Muss jedoch schon vorher in Kleszowen tätig gewesen sein. Ich bin im Besitz der Kopie eines handschriftlichen Briefes von ihm vom 02.11.1938 an Heinrich Schlusnus, in dem er seine Militärzeit erwähnt. Vermutlich ist er also ohne längere Vakanz der Stelle Nachfolger Liedtkes gewesen.


Quellen:

1) VFFOW 70, 22

2 VFFOW 70, 58

3) VFFOW 11 II, S. 100

4) ebd., S. 160

5) VFFOW 78, 40

6) QMS 1, S. B459

7) Rhesa, Ludwig (Hg.): Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit 1775 an den evangelischen Kirchen in Ostpreußen angestellten Predigern als Fortsetzung der Arnoldtschen Prebyterologie. Königsberg 1834, S. 35

8) Kinder von Ernst Hermann Gustav Böhmer:

1. Ernst Hermann Böhmer * 29.06.1840 Georgenburg + 04.03.1841 Georgenburg

2. Adalbert Ernst Bernhard Böhmer * 10.02.1842 Georgenburg + 17.10.1854 (als Gymnasiast)

3. Julie Elise Böhmer * 16.02.1844 Georgenburg + 29.09.1909 Angerburg oo I. 1871 Johann Gottlieb Ehlert (1833-1878), Rittergutsbesitzer auf Rohrfeld, Krs. Gumbinnen (ihr Vetter), oo II. 1887 Adam Paul Romeick, Rittergutsbesitzer auf Adl. Kaukern, Krs. Insterburg. Das einzige Kind aus dieser Ehe starb sehr jung.

9) Hubatsch, Walter/Gundermann, Iselin: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Göttingen 1968, S. 450 und 529

10) Das Ostpreußenblatt v. 07.12.1974, Jahrgang 25 Folge  49, S. 20

11) vorhanden z. B. in der Martin-Opitz-Bibliothek in Herne

12) Das Ostpreußenblatt v. 01.11.1975, Jahrgang 26 Folge 44, S. 20:

Superintendent i. R. Anton Doskocil + — Tief bewegt uns der Tod unseres Superintendenten, der nach einem erfüllten Leben im Alter von 91 Jahren verstarb. Wir verlieren mit ihm auch den letzten Seelsorger unseres Heimatkreises. Anton Doskocil wurde am 3. Dezember 1884 als Sohn eines Apothekers in Merunen, Kreis Treuburg, geboren. Seine vier Brüder hat er überlebt. Der Familienname stammt aus Böhmen. Nach Besuch des Fridericianums in Königsberg mit Reifeprüfung im Jahre 1906 absolvierte er das Theologiestudium an der Albertina in Königsberg, und legte die erste theologische Prüfung ab. Die zweite erfolgte 1908 nach Besuch des Prediger-seminars in Wittenberg (Westpreußen). Darauf folgte die Ordination. In jener Zeit, da er Hilfsprediger in Braunsberg war, heiratete er seine Frau Elise, geb. Kurella. Aus der Ehe gingen zwei Töchter und drei Söhne hervor. Ein Sohn ist im Zweiten Weltkrieg gefallen. Zu weiteren Stationen wurden Kleschowen, Kreis Ebenrode [sic! gemeint ist Kreis Darkehmen!], und für längere Zeit Tharau im Kreis Pr.-Eylau. Im Jahre 1932 wurde Anton Doskocil zum Superintendenten in Labiau berufen, einem Amt, daß er in großer seelsorgerischer Pflichterfüllung erfüllte, war auch die Ausweitung des evangelischen Kindergartens durch ihn bestimmt. Es bedeutete bis 1945 auch einen Zeitabschnitt, der von Aufstieg und Niedergang des Dritten Reiches geprägt war. Immer hat uns mit hoher Dankbarkeit erfüllt, daß sich Anton Doskocil mit großer Liebe der Förderung unseres Heimatmuseums im Ordensschloß widmete. Über die Grenzen des Labiauer Kreises wurde er neben den Forschungen der Bedeutung unserer Ortsnamen, dem Lebensbild des Ännchen von Tharau, besonders Untersuchung über die Kuren als Urbevölkerung um das Kurische Haff bekannt. Dieses Schrifttum ist uns nur teilweise erhalten geblieben, dagegen können wir dankbar sein, daß einige zeichnerische Studien über charakteristische Volkstypen des Kreises Labiau erhalten sind. Es ist zu erwähnen, daß mehrere einige Hundert Bilder von seinem großen Talent als Freizeitmaler zeugen, und er im hohen Alter in Paris ein Malerdiplom erhielt. Nach der Flucht bekam er zunächst einen Auftrag des Landesbischofs in Ohrdorf, Kreis Gifhorn, und übernahm 1948 eine Pfarrstelle an der Paul-Gerhard-Kirche in Hamburg-Wilstorf. Große Würdigung verdient sein Wirken nach der Pensionierung als Seelsorger am allgemeinen Krankenhaus Harburg. In hohem Alter führte ihn eine Reise nach Israel. Nach 1971 hatte er Buxtehude zum Altersruhesitz gewählt und sich sowohl theologischer Literatur als auch Kunstgeschichte gewidmet. Wir erinnern uns, daß er während der Labiauer Zeit auch Beauftragter für Kirchenkunst in Ostpreußen war. Fast alle Kirchen im nördlichen Ostpreußen sind verfallen oder entweiht. — Wir Labiauer durften anläßlich unserer ersten Heimattreffen erfahren, daß er uns bei Gottesdiensten in Hamburger Kirchen Trost und Kraft gab, das schwere Schicksal zu tragen. Mit höchster Ehrerbietung gedachten wir vor Jahren nicht nur des seltenen 60jährigen Ordinationsjubiläums, sondern auch der Diamantenen Hochzeit. Im August dieses Jahres entsprach es seinem Wunsch nach Otterndorf zu fahren, und den Gedenkstein zu betrachten. Als des ehrenwertesten Besuches werden wir uns seiner Besichtigung unserer Heimatstube erinnern. An der Abschiedsfeier, zwei Tage vor unserem Kreistreffen, konnte auch ein kleiner Kreis ostpreußischer Landsleute teilnehmen. Ich legte mit Worten tiefempfundenen Gedenkens für alle Labiauer am offenen Grab ein Rosengebinde nieder. Seiner Gattin und Familie gilt unsere höchste Anteilnahme.

Hans Terner, Kreisvertreter

13) Vilius Gaigalaitis: Die Wolfenbütteler litauische Postillenhandschrift aus dem Jahre 1573. 1900, S. 16

14) Das Ostpreußenblatt v. 20.04.1968, Folge 16, S. 12 und 14:

Superintendent Hellmut Liedtke +

Im Alter von 75 Jahren starb Superintendent Hellmut Liedtke, letzter Superintendent des Kirchenkreises Osterode, wohin er mit Wirkung vom 1. Januar 1937 berufen worden war.

Geboren in Dombrowken, Kreis Darkehmen, war er — nach Ablegung der beiden theologischen Examina vor dem Konsistorium in Königsberg — von Herbst 1922 bis Herbst 1926 in Groß-Schorellen, Kreis Pillkallen, tätig, vom Herbst 1926 bis Ende 1936 in Kleszowen, Kreis Darkehmen, und ab 1. Januar 1937 bis 21. Januar 1945 in Osterode als 1. Pfarrer an der Stadtkirche und Superintendent des Kirchenkreises Osterode.

Der Bekennenden Kirche zugehörig, ist er im Herbst 1937 um der Kollekten der Bekennenden Kirche wegen verhaftet worden, und als sein kleiner Sohn während der Haft an Diphtherie starb, lehnte es der Staatsanwalt in Allenstein ab, ihn für den Tag des Begräbnisses wenigstens frei zu lassen. Nach der Flucht hat er noch in drei Gemeinden (in Mecklenburg und in der Kirchenprovinz Sachsen) Dienst getan, bis ihn eine schwere Krankheit zwang, sich mit dem 1. August 1954 pensionieren zu lassen. Seit 1958 lebte er in Hennef/Sieg, in der Nähe Kölns, mit der Familie seines Schwagers Ernst Stern, früher Superintendent von Ortelsburg, der vor zwei Jahren heimging. In großer Geduld hat er 15 Jahre lang sein schweres Leiden getragen, bis eine heimtückische Grippe nun das Ende am 3. April brachte.

Am Montag, 8. April, wurde er in Hennef zur letzten Ruhe gebettet. Der Unterzeichnete hat als Schriftführer der Gemeinschaft evangelischer Ostpreußen und des Berliner Konvents ehem. ostpreußischer Pfarrer dem Heimgegangenen einen Nachruf unter dem Wort aus dem 1. Korinther-Brief (Kap. 2, V. 2) gehalten: „Ich hielt mich nicht dafür, daß ich irgend etwas anderes unter euch wüßte, als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten."

Unserem Bruder Liedtke sei Dank, daß er als ein treuer Diener seines Herrn dies Zeugnis von dem für uns Gekreuzigten und uns zum Trost auferstandenen Herrn in der Heimat ausgerichtet hat, mitten in der Zeit, in der man neben oder sogar an Stelle dieses Zeugnisses ein anderes, ein politisches Zeugnis zum Inhalt der Verkündigung der ev. Kirche machen wollte.

W. Marienfeld, Pfarrer

Schriftführer der Gemeinschaft evangelischer Ostpreußen e. V.

und des Berliner Konvents ehem. ostpr. Pfarrer

  

Superintendent i. R. Liedtke +

Am 3. April verstarb nach langer, schwerer Krankheit, 75 Jahre alt, der letzte Superintendent des Kirchenkreises Osterode, Superintendent i. R. Hellmut Liedtke, in seinem letzten Wohnort 5202 Hennef/Sieg, Bonner Straße 32 c. Mit der trauernden Witwe und den weiteren Angehörigen nimmt die Kreisgemeinschaft, insbesondere die Heimatstadt Osterode größten Anteil an dem Heimgang des Ersten Pfarrers an der Stadtkirche. Als langjähriger Geistlicher in der dortigen Gemeinde ebenso wie durch seine großen menschlichen Eigenschaften wurde die hochgeachtete und beliebte Persönlichkeit in der Stadt und im Kreise besonders verehrt, erfreute sich großen Ansehens. Sein Festhalten am Evangelium, das er unbeirrbar auf die Gemeinde ausstrahlte, ebenso wie nach der Vertreibung seine große Heimattreue waren beispielhaft.

Immer wird das Andenken des Verstorbenen bei den Osterodern in hohen Ehren gehalten werden.

v. Negenborn-Klonau, Kreisvertreter 24 Lübeck, Goerdelerstraße 12

15) http://list.genealogy.net/mm/archiv/ow-preussen-l/2006-05/msg00458.html

16) http://list.genealogy.net/mm/archiv/ow-preussen-l/2010-04/msg00235.html

17) Kinder von Johann Friedrich Wengorovius lt. Ortsfamilienbuch Karkeln

1. Johanna Louise Wengorovius oo 1765 Christian Gerhard Reimann (+ 14.05.1768 Werden)

2. Theodor Benjamin Wengorovius, 1776 Theologie-Student

3. Maria Dorothea oo Heinrich Preuss

4. Christina Constantia Wengorovius * 08.1749 + 13.10.1806 Tilsit oo 15.07.1771 Werden Johann Friedrich Rosenbaum (* 28.07.1744 Ragnit + 05.05.1818 Tilsit) (9 Kinder a.a.O.)

5. Barbara Elisabeth Beata Wengorovius * 19.06.1758 Trappöhnen 00 1772 Werden Johann Gottlieb Glube (* ~ 1737 + 06.10.1777)

18) Kartei Quassowski, S. L 223


Seite erstellt am 12.03.2007

letzte Änderung: 12.03.2012