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Kirchspiel Rogahlen

Das Kirchspiel Rogahlen wurde nach Abzweigungen aus den Kirchspielen Szabienen, Kleszowen und Goldap 1895 gegründet. Das Altarkreuz war ein Geschenk der Mutterkirche Szabienen zur Einweihung der Kirche in Rogahlen am 12.05.1901. 1912 hatte das Kirchspiel 1.042 Einwohner sowie 2 Schulen mit 3 Lehrern und war noch mit der Kirchengemeinde Szabienen pfarramtlich verbunden. Es war patronatslos. Die Errichtung einer eigenen Pfarrstelle stand 1912 bevor und geschah wohl noch im gleichen Jahre. Kirche und Pfarrhaus waren jedenfalls 1912 bereits fertig. 

Zum Kirchspiel gehören 1912 folgende Orte (*  hinter dem Ortsnamen bedeutet, dass eine Schule vorhanden war):

Kirche 1997

Anlässlich einer Kirchenvisitation im Jahre 1910 wurde festgestellt, dass die Orgel gut und das Orgelspiel befriedigend ist. Zum Zustand der Kirche wird nichts gesagt.

Zur Frage des Litauertums hat Kreisschulrat Christoph Kairies (gest. 1951) aus Tilsit in einer im Auftrage des Reichs- und Staatskommissars für das Memelgebiet erstellten Dokumentation im Juli 1921 auf Grund einer Anfrage an die betreffenden Geistlichen festgestellt: "Völlig deutsch, der litauische Gottesdienst vor 50 Jahren eingegangen."

Am Sonntag, den 22.10.1944, hielt Pfarrer Kurt Hetz, der hier bis dahin zwölf Jahre tätig war, den letzten evangelischen Gottesdienst; er begab sich dann mit der Familie Radtke auf die Flucht. Der Rogahler Postzusteller Walter Radtke holte das Altarkreuz aus der Kirche und nahm es auf die Flucht mit. So ist es gerettet worden. Es wurde 1984 der Kreisgemeinschaft Angerapp übergeben. 

Bei einem Besuch in Rogahlen im Sommer 1997 fand ich neben der Kirche eine Kachel, die offenbar kurz vorher vom Turm abgefallen war. Auf der Seite, die angeputzt war, fand sich die Inschrift "Rieff & Bauer Merzig (Saar)". Eine Nachfrage bei der dortigen Stadtverwaltung ergab, dass diese Firma eine 1889 erbaute und 1920 still gelegte Fabrik unterhielt, die u.a. Mosaikplatten herstellte.

In Rogahlen gab es auch eine Kapelle der Baptistengemeinde. Während 1997 in der Kirche katholische Gottesdienste stattfanden, die der Pfarrer von Szabienen hielt, wurde die Baptistenkapelle von einem benachbarten Landwirt als Scheune genutzt.

Baptistenkapelle 1997


Pfarrer waren:

1908: Johann Gemmel, Pfarramtsverwalter.

1909-1910: Kurt Steinwender, ein Prediger, der zum jungen Geistlichen-Nachwuchs gehört und sich sehr erfreulich entwickelt. Seine Stellung zur Gemeinde ist jeder Anerkennung wert; ebenso seine Lebenshaltung und seine vorwärtsstrebende Treue, wie es in einem Visitationsbericht aus dem Jahre 1910 heißt. Von Rogahlen, wo er als Hilfsprediger tätig war, wohl weil das Kirchspiel noch nicht gegründet war, ging er nach Molthainen, Krs. Gerdauen, wo er von 1910 bis 1915 als Pfarrer amtierte. Als Pfarrer 1915-1925 in Dt. Thierau, Krs. Heiligenbeil, 1925-1933 in Böttchersdorf, Krs. Bartenstein, und 1933-1935 in Paterswalde, Krs. Wehlau.

1910-1913: Paul Rudolph Ewert (* 06.01.1885 Mühlhausen als Sohn des Lehrers und Kantors Johann Theodor Ewert in Mühlhausen und seiner Frau Luise Henriette geb. Jaeckel), war Vikar in Angerburg und Erzieher in Gnadenfrei/Schlesien, dann Hilfsprediger in Rastenburg, 1910 Provinz-Vikar, 1910 Hilfsprediger in Flammberg (früher: Willenberg), Krs. Neidenburg. Wird in VFFOW 11 für die Jahre 1910/1911 als Pfarramtsverwalter in Rogahlen genannt. Bekleidet danach die Pfarramtsstelle bis zu seinem Weggang 1913 als Hilfsprediger nach Pr. Holland, wo er bis 1919 blieb. Von 1919-1928 war er Pfarrer in Leunenburg, Krs. Rastenburg, danach bis 1945 in Pobethen, Krs. Fischhausen. Nach der Flucht war er Superintendent in Pasewalk, wo er nach seiner Pensionierung lebte. Er heiratete am 23.02.1888 in Rastenburg die Musiklehrerin und Konzertsängerin Clara Helene Ludovika Brosch (* 23.02.1888 Rastenburg). Ein Sohn Klaus Richard Theodor wurde in Rogahlen (* 07.11.1912) geboren und wurde wie sein Vater Pfarrer (1942-1945 Diakon und 2. Prediger in Schippenbeil).11)

1913-1921 (1923?): Johann Eduard Ernst Christoleit (* 24.06.1875 Gaitzen, Krs. Heydekrug, als Sohn eines Försters + 18., 26. oder 28.10.1939 Forsthaus Gr. Bruch, Krs. Fischhausen). War Hilfsprediger in Ruß 1902 und Heinrichswalde 1906. Pfarrer in Karkeln, Krs. Heydekrug, 1912-1913. Kam 1913 als Prediger aus  Ramutten, Krs. Heydekrug, nach Rogahlen. Er predigte am 19.09.1920 von seiner Kanzel gegen den damaligen Reichspräsidenten Ebert ("Ebert, dieser Sattlergeselle, muß vom Präsidentenstuhl heruntergefegt werden, er ist nicht würdig, den Posten zu bekleiden, er weiß nicht, was er im Suff tut, diese ganze Regierung ist von der Straße") und wurde dafür am 08.03.1922 vom Landgericht Insterburg zu einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten verurteilt. Das Evangelische Konsistorium der Provinz Ostpreußen hat daraufhin ein Verfahren zur Entziehung der Rechte des geistlichen Standes eingeleitet. Über den Ausgang dieses Verfahrens ist nichts bekannt.1) Ansonsten muss er sich recht intensiv auf dem Gebiet der Vogelkunde beschäftigt haben, denn in einem ornithologischen Fachbuch aus dem Jahre 19142) findet sich ein umfangreiches Literaturverzeichnis seiner Schriften. War 1933 und 1938 Mitglied der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft, wo seine Berufsbezeichnung Pastor lautete. Moeller nennt ihn nach 1923 nicht mehr als Pfarrer in Ost- oder Westpreußen. Ein Bruder Walter (* ~ 1881 + 01.12.1929 Forsthaus Tafterwald bei Wormditt) war ebenfalls Ornithologe, allerdings wird Ernst als der bedeutendere bezeichnet. Außerdem gab es zwei weitere Brüder, die Förster waren.8) Lit.: F. Tischler: Ernst Christoleit zum Gedächtnis, in: Schriften der Physikalisch-ökonomischen Gesellschaft zu Königsberg, Bd. 71, 1940, S. 434-437.

01.06.1923-15.03.1927: Gustav Boersch. Geboren am 15.11.1893 in Elbing, vermutlich als Sohn des Steuererhebers in Elbing Gustav Boersch und dessen Ehefrau Marie geb. Schulz. Besteht im März 1921 das 1. Theologische Examen in Königsberg5), war Ostern 1921 Pfarramts-Kandidat in Carlshof und wurde am 03.12.1922 in Königsberg/Pr. als Hilfsprediger in Angerburg ordiniert. Seit 01.06.1923 als Pfarramts-Kandidat in Rogahlen. War danach seit dem 16.03.1927 zweiter Pfarrer in Darkehmen und anschließend seit 01.08.1935 dritter Pfarrer an der Luisenkirche in Königsberg. Er kam am 10.02.1945 auf der Flucht um, als er mit dem von den Russen versenkten Dampfer "Steuben" auf der Ostsee unterging. Seine Ehefrau Gertrud lebte nach 1945 in Halle/Saale.3)

1927-1929: J. Sam. Bart. Kurt Ehmer (* ~1898 (err.) + 20.01.1978 Bad Pyrmont). Ehmer war von 1921-1923 Hilfsprediger in Schwentainen, Krs. Oletzko und von 1923-1927 2. Pfarrer in Friedrichshof, Krs. Ortelsburg, bevor er nach Rogahlen kam. Er blieb nur kurz und ging von hier nach Grabowen, Krs. Goldap, wo er von 1929-1937 Pfarrer war. Wohl ab 1937 bis zum Kriegsende (Moeller nennt nur den Zeitraum 1940-1943) war er Pfarrer in Klein Jerutten, Krs. Ortelsburg. Nach dem Krieg war er Pfarrer in Hohnsen, heute Kirchengemeinde Ith-Nesselberg in Coppenbrügge. Von ihm stammt ein Artikel im Ostpreußenblatt "Kränze des Königs von Siam. In der Kirche von Klein-Jerutten.9) Er war verheiratet mit Frieda geb. Imlau.10)

1934- 1945: Kurt Hetz, * 26.12.1903 Insterburg + 10.07.1949. Er ist ausführlich hier gewürdigt.


Hilfsprediger waren:

1894-1901: Carl Otto P. Zeigmeister. Verwaltete anschließend von 1901 bis 1906 die Pfarrstelle in Kl. Schönau, Krs. Friedland und ging dann nach Buchholz, Krs. Pr. Eylau, wo er von 1906 bis 1911 als Pfarrer amtierte. VFFOW 11 nennt ihn für das Jahr 1899 als Hilfsprediger in Rastenburg, versieht die Angabe aber mit einem Fragezeichen, denn zu der Zeit war er bereits in Rogahlen. In seiner Zeit in Kl. Schönau wird er in einem Visitationsbericht bezeichnet als "ein im Grunde liebenswürdiger, bescheidener Mann. Sein hypochondrisches Einsiedlerleben verstimmt indessen die Gemeinde, besonders die Besitzer, die mit Recht den Verkehr mit dem Pfarrer wünschen."13)

17.09.1900-30.06.1908: Georg Gustav Bork. Geboren 09.11.1868 in Wilkendorf, Krs. Rastenburg. Am 17.09.1900 als Hilfsprediger in Rogahlen und Szabienen ordiniert. Vom  01.07.1908 bis zu seiner Emeritierung 1937 war er Pfarrer in Gr. Engelau. Verheiratet mit Margarete geb. Wenzel, zwei Kinder. Verstarb am 17.05.1945 im Internierungslager in Kopenhagen.4)

1922-1923: Max Kuehnert (* ~ 1890 + 19.06.1970 Gladbeck). Nach seinem Weggang aus Rogahlen war er von 1923 bis 1926 Diakon und 2. Pfarrer in Rhein. 1926-1935 war er Pfarrer in Rydzewen, Krs. Lötzen, und von 1935 bis 1945 Pfarrer in Schmoditten, Kr. Pr. Eylau. Er war verheiratet mit Margarete geb. Rillersdorf und hatte zwei Söhne.12)

1932-1934: Kurt Hetz (s.o.).

um 1944: Ulrich Stotzka * ~ 1909 + 21.09.1962

 

Ein Wort an alle Landsleute aus dem Kirchspiel Rogahlen: Wer besitzt noch die Heimatbriefe des Pfarrers Hetz, die wahre Schätze für den Heimat- und Familienforscher sind? Wer überläßt mir Kopien davon?


1) Niels H. M. Albrecht: Die Macht einer Verleumdungskampagne. Antidemokratische Agitationen der Presse und Justiz gegen die Weimarer Republik und ihren ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert vom "Badebild" bis zum Magdeburger Prozeß. Diss. Univ. Bremen, S. 132 (Zitat in Klammern nach Bundesarchiv Berlin, R 601/34).

2) Fachbuch

3) VFFOW 11 II, S. 167

4) ebd., S. 191

5) QMS 1, S. B 474

6) Liedtke, Klaus-Jürgen: Die versunkene Welt. Ein ostpreußisches Dorf in Erzählungen der Leute. Frankfurt am Main 2008, S. 239

7) ebd., S. 353

8) Das Ostpreußenblatt v. 02.01.1965, Jahrg. 16 Folge 1, S. 19

9) Das Ostpreußenblatt v. 21.11.1959, Jahrg. 10 Folge 47

10)Das Ostpreußenblatt v. 04.02.1978, Jahrg. 29 Folge 5

11) Genealogie-Seite der Familie Michelau aus Labiau, dort auch weitere Angaben zu den Vorfahren

12) Das Ostpreußenblatt v. 04.07.1970, Folge 27, S. 19

13) Gundermann/Hubatsch: Die evangelischen General-Kirchen- und Schulvisitationen in Ost- und Westpreußen 1853-1944. Göttingen 1970.

für alle Pfarrer und Hilfsprediger: VFFOW 11


Seite erstellt am 12.03.2007

letzte Änderung: 31.01.2012