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Daten-CD

 

 


Kirchspiel Szabienen

Das Kirchspiel Szabienen wurde 1565 gegründet. "Die zunächst wohl vom Landesherrn gegründete Kirche kam sehr bald unter ein Privatpatronat, und zwar nach wenigen Jahren dann schon unter das Patronat der Familie von Rapp oder von Rappe, die schon zur Zeit des Ritterordens nach dem Preußenland gekommen war."3) Aus der Zeit vor der großen Pest von 1709/10 gibt es nicht allzu viele Nachrichten von den Menschen, die im Kirchspiel ansässig waren. Walsdorff nennt die Pest "das größte Unglück, das unsere Heimat je getroffen hat, und das größer ist als alles Kriegsunglück beim Tataren-Einfall um die Mitte des 17. Jhdts. oder im siebenjährigen Krieg oder 1806/07 oder 1914/15 [...] Carl Ehrenreich von Rapp, der eben die Angerappschen Güter geerbt hat, klagt 1710, daß ihm 'allein allbereit bis 500 Menschen an der Pest gestorben seien'. Er muß für das Kirchdorf als Kirchenpatron einen neuen Pfarrer besorgen und nach dessen Tode sich wieder nach einem Nachfolger umsehen; auch im Präzentorat tritt eine Neubesetzung ein, und das ist wegen der Mehrsprachigkeit eine schwere Sache. 'Nach Absterbung so vieler Prediger und Candidaten ist niemand zu finden, welcher in alle drei Sprachen zu predigen weiß. Aber weil die polnischen leuthe daselbst so ausgestorben, daß derer über 20 oder 30 nun nicht mehr im leben sein werden, welche doch auch der lithauischen Sprache zugleich mitkundig sind', meint er, mit einem Geistlichen, der nur deutsch und litauisch predigen kann, vorlieb nehmen zu können, zumal der neue Präzentor polnisch können soll."1)

Nach der Pest kam es zu einem Vordringen der Litauer und der Masuren in das menschenleer gewordene Land. Außerdem betrieb der preußische König eine Kolonisation von fernher, das sog. Retablissement. "Im Jahre 1712 zog eine ansehnliche Schar von Schweizern, Neuenburgern, Graubündenern, Pfälzern (aus allen vier Gauen viele Hugenotten) und Magdeburg-Halberstädtern nach Ostpreußen. Schweizerfamilien finden wir im Kirchspiel zunächst keine [...]. Aber seit 1716 finden wir in den Kirchenbüchern erstaunlich viel Familien, die im Gebiet von Magdeburg und Halberstadt beheimatet waren [...]. 1713 sind im Schabiener Amt noch 466 Hufen unbesetzt. 1717 waren es nur noch 328. Aber erst mit dem Jahre 1721 setzte wieder ein größerer Zustrom ein. [...] wir finden auch jetzt [um 1736] wieder noch fremdstämmige Siedler, so begegnen uns gelegentlich sogar 'Moskowiter', also Russen, und, aber wohl nur als Folge einer gewissen Binnensiedlung, auch noch mehr Hugenotten aus der Schweiz oder aus der Pfalz.[...] Nach und nach werden auch die letzten Ödländereien, die irgend ohne gar zu große Schwierigkeiten in Angriff genommen werden können, urbar gemacht."1)

In den 1740er Jahren wurde die Kirche durch Christian Wilhelm von Lau schon zum Teil massiv in den alten Ausmaßen neu errichtet.3)

Auch das 19. Jahrhundert blieb mit der Separation und der Bauernbefreiung für die Siedlungsgeschichte bedeutsam: "Durch die Separation wurde die geschlossene Dorfsiedlung, wie sie uns etwa der Christiankehmer Schulz Tribukait geradezu klassisch vor Augen stellt, zum mindesten aufgelockert, wenn nicht hier und da ganz zerstört. Durch die Bauernbefreiung mit allen ihren Folgen kam es aber letzten Endes dahin, daß viele altangesessene Familien das Erbe nicht mehr halten konnten, oder daß sie es nun aus freien Stücken verkauften, und so veränderte [...] nicht nur das Siedlungsbild, es tauchten vielmehr auch wieder neue Siedler auf, neue Geschlechter, die auf dem nun schon alten Siedlungsland Haus und Hof bestellten."1)

Walsdorff ermittelt durch eine Kirchenbuchauswertung: "Aus diesen Dörfern mit vorwiegend bäuerlichem Besitz sind demnach nur 14 von im ganzen 72 erfaßten Familien seit der Zeit vor 1800 ansässig, und gehen wir auf das Jahr 1750 zurück, so sinkt diese Zahl auf 8, ein wirklich überraschendes Ergebnis, das die Seßhaftigkeit der Bauern und ihre Schollengebundenheit nicht so sehr bestätigt."1)

Im Herbst 1807 und auch noch 1808 wütete die rote Ruhr (Dysenterie), an der im Kirchspiel rund 200 Menschen starben.3)

Im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts wurde die Kirche auf Veranlassung des Kirchenpatrons erneut umgebaut: Die Fachwerkwände wurden nun auch an den Längswänden durch massive Wände ersetzt.3)

1855 wurden der bis dahin zum Kirchspiel gehörende Ort Kl. Gruneiken nach Benkheim und das adlige Gut Hohenbrück nach Grabowen ausgepfarrt, das Dorf Brosaitschen im Gegenzug aus dem Kirchspiel Benkheim eingepfarrt.6)

Anlässlich einer Kirchenvisitation im Jahre 1910 wurde festgestellt, dass die Kirche kürzlich renoviert wurde, es stört jedoch ein riesiger, völlig unproportionaler Altarraum, der den Prediger die Gemeinde in unangemessene Ferne rückt und zur Hälfte für fehlende Sitzplätze bessere Verwendung fände. Die Orgel wird als genügend, das Orgelspiel als etwas unter befriedigend bezeichnet.

1912 hatte das Kirchspiel 2.800 Einwohner sowie 7 Schulen mit 12 Lehrern. Patron war 1912 der Majoratsbesitzer Rittmeister von Farenheid-Beynuhnen. 

Zum Kirchspiel gehören 1912 folgende Orte (*  hinter dem Ortsnamen bedeutet, dass eine Schule vorhanden war):

Im 1. Weltkrieg wurde der Altar zerstört:

Quelle: www.bildarchiv-ostpreussen.de

 

 

Zur Frage des Litauertums hat Kreisschulrat Christoph Kairies (gest. 1951) aus Tilsit in einer im Auftrage des Reichs- und Staatskommissars für das Memelgebiet erstellten Dokumentation im Juli 1921 auf Grund einer Anfrage an die betreffenden Geistlichen festgestellt: "Völlig deutsch, der litauische Gottesdienst vor 50 Jahren eingegangen."

Für die Zeit um 1930 beziffert Pfarrer Walsdorff die Zahl der Taufen im Kirchspiel auf "jährlich etwa 60". Um 1910 waren es noch 80, und um 1830 sogar 140. Weitere Zahlen zu Taufen: 1850: 175, 1860: 218, 1870: 201, 1880: 178, 1890: 154, Die höchste Geburtenziffer hat er für das Jahr 1858 ermittelt, nämlich 231 im Jahr. "[...] und wenn wir für dies Jahr die Ortschaften, die heute nicht mehr zum Kirchspiel gehören, absetzten, so bleiben gegenüber den 60 Geburten der letzten Jahre immer 164, also mehr als 100 der heutigen Geburtenzahl."1)

Auch zu den Sterbefällen hat er im Kirchenbuch nachgeschlagen: 1845/1846: 100 bzw. 105, 1847: 272. "Die Einwohnerzahl des Kirchspiels stieg schon in den Jahren 1829 bis 1847, also in 18 Jahren, von 3390 bis zu 4133 Einwohnern, also um etwa 775 Seelen [...]"1)

"In Szabienen [...] gehörten sie offiziell zur 'Bekennenden Kirche', sie hatten nicht bloß den Kirchenrat, sondern auch eine Gemeindevertretung als den größeren Kreis von Gewählten. Und in der Gemeindevertretung hatten sie beschlossen, sich von der Konsitorialkirche zu lösen und der 'Bekennenden Kirche' beizutreten, also die Weisungen des Konsistoriums nicht anzuerkennen, soweit sie gegen ihr Verständnis vom Bekenntnis gingen. 'Deutsche Christen' unter einem 'Reichsbischof' wurden sie nicht. Durch das Patronat auf Beynuhnen genoß die Kirche auch einen gewissen Schutz, denn die Adligen auf den Gütern waren deutschnational, jedenfalls keine Nationalsozialisten."8) Patronatsältester war Dr. Maaß.

Die Kirche in Szabienen (Foto: www.ostpreussen.net)

 

 

Pfarrer waren:

nach 1564: Leonhard Wirczinski. Erster Pfarrer zu Szabienen, vorher Pfarrer in Mierunsken, Krs. Oletzko, wo ihm Herzog Albrecht am 10.11.1564 zwei Hufen Land schenkte (Rogge, S. 6). Bis 1591 war ein Leonhard Wircinski (ein gleichnamiger Sohn?) Pfarrer in Mierunsken, Krs. Oletzko.18)

nach dessen Tod (1590?): Andreas Wirczinski, sein Sohn. 1570 bis 1580 Pfarrer in Saalau, Krs. Insterburg.19) "Am 5. August 1591 wird Andreas Wierzinski, der Pfarrer zu Szabienen, davon benachrichtigt, daß er 2 Hufen zu Groß Szabinen erhalten soll."14) Danach "Enkel und Enkelkind" (Walsdorff2)) des ersten Pfarrers, also wahrscheinlich auch Wirczinskis.

1595/1612: Stanislaus Wirzinski. War von 1589 bis 1595 Diakon und 2. Pfarrer der Alten Kirche Goldap.16) "Stanislaus Wirzinski, Pfarrer zu Szabienen [ist genannt] in der Verschreibung über Augskallen im Szabienenschen Amte vom 22. Juni 1597."14) Paul Wierzinski, der Sohn des Pfarrers von Szabienen, erhielt 1599 sieben Dörfer im Misseschen Schulzenamt als Schulz zugeteilt.13)

1615: Johann von Stein.

bis 1655: Heinrich Buchholtzer.

1655-1677: George von Stein. In den Erbhuldigungsakten des Herzogtums Preußen wird 1663 "Severini Wrezcinsken Pfarrerswiettiebe zu Gr Szobiehnen" erwähnt.15) Severin Wirc(z)insius war von 1621-1633 Pfarrer in Tollmingkehmen und von 1633-1654 Pfarrer an der Stadtkirche zu Gumbinnen.17) Die Witwe scheint nach Szabienen zu einem ihrer Söhne gezogen zu sein, die möglicherweise noch dort lebten.

1677-1688: Fabian Sempf als Adjunkt.

1697-1709: Fabian Schachtmeyer2), starb an der Pest.

1709-1710: Wilhelm Dullo, der aber auch bald danach an der Pest starb2). Von ihm ist bisher weiter nichts bekannt. Vielleicht war er zuvor Pfarrer in Szittkehmen (Moeller nennt einen N. Dullo dort um 1679).

1711-1730: Martin Radtke1) (* 1687 Neusorge + März 1745 Kraupischken). War von 1730 bis zu seinem Tode Pfarrer in Kraupischken. Radtke heiratete nach seiner Verwitwung Sophia Charlotte geb. Meyer (*30.10.1692-11.06.1776) aus Königsberg. Einer ihrer Söhne, Georg Christoph Radtke war ebenfalls Pfarrer (1759-1770 in Wischwill, Krs. Ragnit).12)

1731-1734: Heinrich Ernst Rabe (+ 02.11.1744 Gumbinnen). War von 1734 bis 1744 Pfarrer an der Stadtkirche in Gumbinnen, zugleich Pfarrer in Gerwischkehmen. Heiratete am 29.01.1739 in Werden Johanna Christina NN.28)

1734-1745: Friedrich Tyßka (* ~ 1712 err. + 19.12. 1788 Goldap oo 1734). Er wurde 1745 an die Elisabethkirche in Königsberg versetzt, wo er bis 1746 blieb. Dann ging er an die Alte Kirche in Goldap und amtierte dort vom 27.11.1746 bis zu seinem Tode 1788. Am 07.12.1784 feierte der dort sein 50jähriges Amts- und Ehejubliäum. Zu diesem Zeitpunkt wird sein Name mit "von Tyßka" angegeben.29) Eine Tochter heiratete Johann George v. Kobilinski, der am 19.01.1781 Adjunkt seines Schwiegervaters wurde und nach dessen Tode von 1788 bis 1808 sein Amtsnachfolger war.30)

1745-1771: Georg(e) Friedrich Gazali. Vorher 1744-1745 Diakon und 2. Pfarrer in Nordenburg.

1771-1783: Carl Wilhelm Glogau, wurde 1783 nach Darkehmen versetzt.21)

1785-1794: Friedrich Augustin von Essen. "Er war geboren zu Plibischken den 19. April 1745, wurde im November 1768 Conrector in Insterburg, 1781 Rector in Gumbinnen, den 14. Januar 1785 ordinirt und den 5. Februar desselben Jahres introducirt. Er starb [in Szabienen] den 13. März 1794."21)

1794-1807: Johann Jacob Steinkampf "ist in Neuteich in Westpreußen den 1. Mai 1752 geboren. Den 18. April 1788 wurde er zum hiesigen Diaconate ordinirt, den 18. Mai desselben Jahres in dieses Amt und den 11. November 1794 als Pfarrer introducirt. Er starb den 22. September 1807."21) War vorher von 1788 bis 1794 "litthauischer Diakon" in Szabienen (s.u.). Er starb an der roten Ruhr starb, die zu dieser Zeit im Kirchspiel2).

1808-1812: Christian Friedrich Unverdorben. War von 1803 bis 1808 Diakon und 2. Pfarrer in Stallupönen. Ging 1812 als Seminardirektor an das Lehrerseminar Karalene. Abgang von dort am 16.03.1817 als Pfarrer nach Darkehmen.7) Unverdorben war Nachfolger des ersten Leiters des Lehrerseminars Karalene, Karl August Zeller. "Da es [...] von Anfang an die Absicht der Unterrichtsverwaltung war, Zeller nur vorübergehend in Karalene zu belassen, so sah sich die Regierung in Gumbinnen nocht vor Eröffnung der Anstalt nach einem geeigneten Direktor um. Ihr Blick fiel auf den Pfarrer Unverdorben in Zabienen. 'Seine Kenntnis der drei Sprachen der Provinz, seine musikalische Begabung und sein bewiesener Eifer' hatten ihn empfohlen. Trotzdem zerschlugen sich die Verhandlungen. Unverdorben sollte die Direktorstelle zunächst interimistisch verwalten, 'bis er seine Fähigkeit, das Institut zur Reife zu bringen, dokumentiert habe'. Unverdorben sah in dieser Forderung ein durch nichts gerechtfertigtes Mißtrauen. Auch wollte er seine Familie erst nach sechs bis acht Monaten nachkommen lassen, bis dahin aber jeden Monat einmal heimreisen. Zeller bemerkte dazu, 'daß eine so geteilte Arbeitskraft der ohnehin schwierigen Aufgabe nicht gewachsen sei'. So sah die Regierung zunächst von Unverdorben an und erteilte Zeller den Auftrag, andere Vorschläge zu machen, wozu dieser aber nicht in der Lage war. 'Und so ergab sich das anschauliche Resultat, daß es nicht so leicht sei, einen zu finden, welcher einem Amte wie diesem gewachsen wäre, für welches der Büchermensch ebensowenig als der Illiterate passen könne'. Nach einem Jahre kam die Regierung doch wieder auf Unverdorben zurück. Am 29. Juli 1812 wurde er in Gegenwart des Regierungsrats Schulz durch Zeller im Lehrzimmer als Direktor des Instituts vorgestellt. Unverdorben, 'eine milde und ehrenwerte Persönlichkeit', gewann bald die Liebe und Zuneigung von Lehrern und Schülern. Noch bei Zellers Anwesenheit hatte ihn eine Abordnung der Zöglinge gebeten, an der bisherigen Verfassung der Anstalt nichts zu ändern. Unverdorben konnte diesem Wunsche nicht entsprechen. Wenn auch die Anstalt im großen und ganzen das Gepräge behielt, das Zeller ihr gegeben, so schaffte er doch manche Eigentümlichkeit im Anstaltsleben ab. [...] Wie Unverdorben, so war auch seine Gattin um das Wohl der Knaben innigst besorgt. Sie war ihnen besonders in Krankheitszeiten eine liebevoll sorgende Mutter. Leider blieb Unverdorben nicht lange in Karalene. Schon im März 1817 ging er als Pfarrer und Superintendent nach Darkehmen. Gestorben ist er als Konsistorialrat in Gumbinnen."11)

1817-1825: Fürchtegott Adolph Kah, "geboren in Friedland den 28. October 1786 [als Sohn des dortigen Rektors], war zuerst [seiz dem 09.11.1809] Rector in Lötzen, dann [seit dem 26.03.1813] polnischer Pfarrer und zweiter deutscher Prediger in Goldapp, wozu er den 26. März 1813 ordinirt worden ist. Dom. Oculi 1817 [=09.03.1817] trat er das hiesige Pfarramt an und ging 1825 als Pfarrer nach Rastenburg."21), 4)  Wurde [zum 01.04.] 1821 auf Drängen seines Patrons von Farenheid von der Regierung in Gumbinnen zum Direktor eines von Farenheid gegründeten Lehrerseminars in Szabienen ernannt, das, als er 1825 nach Rastenburg ging, zuerst nach Lötzen, später dann nach Angerburg verlegt wurde.10) 1823 stiftete er das Stobbeanum, einen Fonds mit 600 Rthlr. in Königsberger Stadtobligationen.   Dieser Fonds belief sich im Jahre 1839 auf 950 Rthlr. Sobald er auf 1.000 Rthlr. angewachsen ist, sollen von den Zinsen die Nachkommen und Verwandten des Stifters auf der Universität, allenfalls auch auf dem Gymnasium unterstützt werden. Sollte kein Nachkomme oder Verwandter vorhanden sein, wird ein Sohn armer Eltern aus Lötzen unterstützt.24) In Rastenburg wird er am 03.07.1825 introduziert. Seit dem 24.08.1825 verwaltete er die Superintendentur in Rastenburg. In diesem Amt wird er am 04.05.1826 bestätigt und am 15.08.1826 den Synodalen vorgestellt. In Rastenburg war er Pfarrer bis zu seinem Tode 1840.

10.06.1825-1849?: Johann Ernst Haak, "wurde Dom. 4. p. Trin. 1825 [=26.06.1825] hier introducirt."21) Vorher Pfarrer in Kleszowen5).

1849-1890: Eduard Leopold Wilhelm Stengel, vorher Pfarramtskandidat.

1894-1907: Karl Ferdinand F. Fretschien.

1907-1924: Julius Adolf Gotth. von Popowski (* 1857), der in einem Visitationsbericht von 1910 so beurteilt wird: "ist kein großer Geist und kein starker Charakter; sein Wandel aber ist tadellos, seine kinderlose Ehe glücklich, sein Patron beglückt durch seine Friedfertigkeit. Die Gemeinde hat er trotz großer natürlicher Gutmütigkeit nicht so hinter sich, wie es wünschenswert ist." (zit. nach Angerapper Heimatbrief 1984, S. 24). Ordiniert 1890, im gleichen Jahr Pfarramtsverwalter in Rauschken, Krs. Hohenstein, desgl. 1890-1892 in Narzym, Krs. Soldau, von 1892 bis 1907 Diakon und 2. Prediger in Czychen, Krs. Oletzko.

1924-1929: Fritz Ewalt Quittschau (* 1888 + 1945). Studium in Berlin und Königsberg. War 1928 schon beurlaubt, obwohl er Szabienen offiziell erst 1929 verließ.27) 1929 Pfarrer in Berlin-Steglitz. "Nach seiner Promotion in Greifswald 1931 kam er 1934 als Dompfarrer nach Königsberg. Er gehörte der ostpreußischen Bekennenden Kirche an, verweigerte 1938 den Eid auf Hitler. Ein Disziplinargericht sprach am 12.10.1939 die Zwangsbeurlaubung aus. Zusammen mit etwa 4000 ostpreußischen Flüchtlingen ertrank er am 9. Februar 1945 beim Untergang der 'General von Steuben'."25) VFFOW 11 führt ihn bis 1942 als Pfarrer am Dom in Königsberg. Das Thema seiner Dissertation 1931 lautete: Das religiöse Bildungsideal im Vormärz. Ein Beitrag zur Geschichte des Seminarunterrichts in Preußen.26)

1932-1940: Helmut Walsdorff (* 22.08.1905 Postnicken, Krs. Königsberg i. Pr. + 04.07.1992 Göttingen?), der 1931 bis 1932 Hilfsprediger in Szabienen war. Seit 1932 Mitglied des Kreisvereins für Heimatforschung Darkehmen. 1940 wurde er nach Pillau versetzt, war aber die meiste Zeit beim Militär. Nach dem Krieg war er ein sehr produktives Mitglied des Vereins für Familienforschung in Ost- und Westpreußen.

Pfarrer Walsdorff mit Konfirmanden

(Quelle: Archiv der Kreisgemeinschaft Angerapp)

1942/43(?): Heinz Tetzlaff. "Nach Walsdorff ist ein junger Pfarrer nach Szabienen gekommen, Pastor Tetzlaff, der war aber bloß vier Wochen bei ihnen, dann wurde auch er eingezogen. Zum Weihnachtsgottesdienst in Szabienen brachte jeder Besucher eine Kerze mit, die wurde angezündet und am Kirchengestühl befestigt. Die Kirche wurde allmählich heller, bis hinten hin. Wer aber würde die Christvesper halten? Pfarrer Tetzlaff tat als Feldgeistlicher Dienst in Rußland. Da trat seine Frau, sehr jung noch, in tiefstem Schwarz vor den Altar. Ein leises Raunen ging durch die Menge: 'Der Herr Pfarrer ist gefallen, sie hat diese Woche die Nachricht erhalten.' Wie sollte da Weihnachtsfreude aufkommen? Doch seine Frau, die Marianne, hielt selbst die Andacht, las auch den letzten Brief ihres Mannes vor und schloß mit den Worten: 'Nun ist auch das letzte Licht erloschen.' Trotz ihrer Jugend, wie tapfer sie das trug, mit welch einer Haltung! Sie hatte zwei noch kleine Kinder, die erst nach Kriegsausbruch geboren waren."9)

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Nicht in VFFOW 11 genannt wird der "Pfarrer in Schabienen" Friedrich Ludwig Ferdinand Müllner, der 1851 Pfarrer in Piktupönen wurde (VFFOW 70, 217). Er passt zeitlich nicht in die bei Moeller für Szabienen angegebene Pfarrerfolge. In VFFOW 70 ist ein Fehler unterlaufen, denn dieser Pfarrer Müllner war von 1843 bis 1851 Pfarrer in Schakuhnen und ging dann nach Piktupönen.


Als Hilfsprediger werden genannt:

1928-1930: Werner Adolf Mingo (* 10.04.1904 Königsberg X 1944 Triest). 3. Sohn von Johann Mingo (1863-1937 Königsberg) und seiner Ehefrau Emilie geb. Pagel (1867-1931 Königsberg). Seine (vermeintlichen) Brüder Wilhelm (* 12.10.1902 vermisst 01.02.1945 Glogau) und Karl (* 27.09.1906 X? 12.04.1945) sind wie er im Krieg geblieben. Ein jüngerer Namensträger Erwin (* 23.01.1924 vermisst 01.06.1944) wird kaum ein Bruder gewesen sein, eher vielleicht ein Neffe. VFFOW 11 führt für 1929-1930 einen Pfarrer Mingo in Rudczanny, Krs. Sensburg, auf. Hierbei kann es sich um einen der oben Genannten handeln. Werner Mingo war von 1930-1944 Pfarrer in Schwentainen, Krs. Ortelsburg.

 

Quelle: Kreisgemeinschaft Ortelsburg

1931-1932: Helmut Walsdorff, der 1932 Pfarrer in Szabienen wurde (s.o.).

1940-1941: Heinz Tetzlaff. Es ist anzunehmen, dass er der Nachfolger Walsdorffs wurde.


Als "litthauische Diakone" waren angestellt:

1621/1634: Wolfgang Vogelius.

1654/1677?: Johann Freytag, wohl nur bis 1674, denn in diesem Jahr wird er als Pfarrer in Dombrowken genannt.

1678-1697: Dan. Friedrich Pastenacius.

"Nachdem lange kein Diaconus bei dieser Kirche gewesen war, wurde wegen der in dieser Gemeine üblichen drei Sprachen diese Stelle wieder fundirt [...]."21)

1785-1788: Johann Gottlieb Marks, "welcher vorher [seit 1783] Subrector in Gumbinnen gewesen war, den 5. Februar 1785 hier angestellt. Er ging 1788 als Pfarrer nach Dubeningken."21) Geboren 1761 in der Nähe von Lyck. War ab 1780 Hauslehrer in Niedbudszen, dann bis zum 31.01.1785 Subrector in Gumbinnen. In Szabienen war er gleichzeitig Präcentor. War in Dubeningken, Krs. Goldap von 1788 bis 1807. Am 30.08.1807 wird er zum Pfarrer von Skaisgirren berufen, die Einführung in das Amt erfolgte Anfang November 1807. Hier bleibt er bis zu seinem Tod am 20. oder 21.01.1819.

1788-1794: Johann Jacob Steinkampf, der anschließend bis zu seinem Tod 1807 Pfarrer war (s.o.).

1795-1799: Johann Friedrich Glogau, "geboren zu Szabinen den 5. Juni 1773, ist den 17. März 1795 ordinirt und Dom. Cantate desselben Jahres [=03.05.1795] hier introducirt worden. Er ging 1799 als Pfarrer-Adjunct nach Gilge."21) In Gilge, Krs. Labiau, war er zuerst Adjunkt und Diakon und von 1806-1819 Pfarrer. Seit dem 22.09.1819 Pfarrer in Popelken, wo er am 12.11.1831 an der Cholera starb. Er war verheiratet mit Gottliebe Euphrosina Wilhelmine Andreson und hatte mit ihr sieben Kinder.

1801-1802: David Seger, "in Skaisgirren geboren, wurde den 24. März 1800 ordinirt, den 27. April desselben Jahres introducirt und seines unordentlichen Lebenswandels wegen unterm 23. September 1802 removirt."21)

1803-1807: Heinrich Albrecht Schultz, "geboren in Wischwill, ordinirt den 31. Januar 1803 und den 27. Februar desselben Jahres introducirt, starb den 1. März 1807."21)

1807-1817: George Samuel Fritz, "geboren in Plaßken, war anfangs Präcentor daselbst, wurde den 28. September 1807 ordinirt und den 8. November desselben Jahres in Szabinen introducirt. Nach seinem Abgange als Pfarrer nach Pillupönnen im Jahre 1817 wurde das hiesige Diaconat wieder aufgehoben."21),4) Wurde am 02.02.1817 in Pillupönen introduziert. Er starb am 02.10.1819.22)


Quellen:

1) Pfarrer [Helmut] Walsdorff: Aus der Siedlungsgeschichte des Kirchspiels Schabienen, in: Heimatkundliche Blätter Nr. 17 v. 31.12.1933, S. 107-111

2) Pfarrer Helmut Walsdorff: Bilder aus der Geschichte des Kirchspiels Schabienen, in: Heimatkundliche Blätter Nr. 20 v. 04.08.1934, S. 131-135

3) Pfarrer Helmut Walsdorff: Die Gruft in der Kirche zu Schabienen, in: Heimatkundliche Blätter Nr. 21 v. 25.10.1934, S. 141f.

4) VFFOW 70, 22

5) VFFOW 70, 58

6) Rogge, 2

7) APG 19 (1989), S. 442

8) Liedtke, Klaus-Jürgen: Die versunkene Welt. Ein ostpreußisches Dorf in Erzählungen der Leute. Frankfurt am Main 2008, S. 224

9) ebd., S. 321

10) APG 14 (1983), S. 116

11) APG 19 (1989), S. 331

12) APG 9 (1974/76), S. 361

13) VFFOW 73 II, S. 89

14) VFFOW 73 II, S. 59

15) VFFOW 45 II, S. 52

16) VFFOW 11 I, S. 43

17) VFFOW 11 I, S. 50 und 144

18) VFFOW 11 I, S. 95

19) VFFOW 11 I, S. 124

21) Rhesa, Ludwig (Hg.): Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit 1775 an den evangelischen Kirchen in Ostpreußen angestellten Predigern als Fortsetzung der Arnoldtschen Prebyterologie. Königsberg 1834, S. 36

22) ebd., S. 172

23) Kinder von Johann Friedrich Glogau oo Gottliebe Euphrosina Wilhelmine Andreson:

1. Gottlieb Friedrich Julius Glogau * 05.10.1801 Gilge

2. Wilhelmine Louisa Therese Glogau * 13.12.1803 Gilge

3. Carl Wilhelm Otto Glogau, wurde ebenfalls Pfarrer, zul. Superintendent in Tilsit * 14.11.1805 Gilge [+ 1875 Tilsit], gab 1855 ein erfolgreiches litauisches Liederbuch und einen ebenso auflagenstarken Katechismus in litauischer Sprache heraus

4. Emilie Bertha Glogau * 12.12.1807 Gilge

5. Johann Samuel Traugott Glogau * 19.04.1810 Gilge

6. Therese Auguste Ottilie Glogau * 20.09.1812 Gilge + 03.01.1817

7. Ludovica Wilhelmine Rosalie Glogau * 18.02.1814 Gilge

nach: Ortsfamilienbuch Gilge

24) Koch, Johann Friedrich Wilhelm: Die preußischen Universitäten. Eine Sammlung der Verordnungen, welche die Verfassung und Verwaltung dieser Anstalten betreffen. 1. Band: Die Verfassung der Universitäten im Allgemeinen. Berlin, Posen und Bromberg 1839, S. 559

25) Forsthoff, Ernst: Briefwechsel Carl Schmitt 1926-1974. Berlin 2007, S. 436. Weitere Lit. zu Quittschau: Manfred Koschorke (Hg.): Geschichte der Bekennenden Kirche in Ostpreußen 1933-1945: Allein das Wort hat's getan. Göttingen 1976

26) erschienen Gotha 1931

27) Liedtke, Klaus-Jürgen, a.a.O., S. 417

28) Archiv für Sippenforschung und alle verwandten Gebiete, Band 21. 1944, S. 93

29) Preußische Provinzial-Blätter. 7. Bd., Königsberg 1832, S. 441

30) Richter, O. W. L. (Hg.): Vaterländisches Archiv für Wissenschaft, Kunst, Industrie und Agrikultur, oder Preußische Provinzial-Blätter. 27. Bd. Königsberg 1842, S. 445

Quelle für die Pfarrer, Hilfsprediger und Diakone: VFFOW 11


Seite erstellt am 12.03.2007

letzte Änderung: 12.04.2012