Familie von Farenheid

"Der aus einer Danziger angesehenen bürgerlichen Familie stammende Johann Friedrich Wilhelm Fahrenheit, damals Kriegs- und Domainenrath, wurde am 2. Octbr. 1786 in den preuss. Adelsstand erhoben. Er besass sehr ansehnliche Güter in der Provinz Preussen, und sein Sohn besitzt noch gegenwärtig Angerapp im Kreise Darkehmen. Derselbe unterhält ein in vorzüglichem Rufe stehendes Gestüt. v. F. ist auch Ritter des rothen Adlerordens III. Classe. Sehr berühmt ist einer ihrer Vorfahren, Daniel Gabriel Fahrenheit, geworden. Er war um das Jahr 1690 zu Danzig geboren, und verliess seine frühere merkantilistische Bestimmung, um seiner vorherrschenden Neigung für das Studium der Natur zu folgen. Er durchreiste Deutschland und England, liess sich in Holland nieder, trat daselbst mit den berühmtesten Naturforschern in enge Verbindung, und erfand als Resultat seiner Forschungen ein Quecksilber-Thermometer, theilte den Raum zwischen dem künstlichen Gefrierpunkte und dem, bis zu welchem das Quecksilber im siedenden Wasser steigt, in 212 Theile. Während wir jetzt gewöhnlich nach dem von Reaumur verbesserten Thermometer rechnen, bedienen sich noch heute die Engländer fast ausschliesslich des Fahrenheitschen Thermometers. Dieser merkwürdige Mann starb im Jahre 1740, als er eben wieder ein riesenhaftes Werk seines Geistes, eine Entwässerungsmaschine für die durch die Ueberschwemmungen heimgesuchten Niederlande fast vollendet hatte."2)

Im Landkreis Darkehmen "hatte sich im 19. Jahrhundert die politische Hegemonie [eines] einflussreiche[n] liberale[n] Familienclans ausgebildet. Das waren [...] die Farenheids, ursprünglich eine der führenden Königsberger Kaufmannsfamilien, die sich Ende des 18. Jahrhunderts in der Großlandwirtschaft engagierten, nachdem der König sie aus ihrer marktbeherrschenden Stellung gedrängt hatte."1)

Lit.1): Georg Krüger: Beiträge zur Geschichte der Familie Farenheid. Beilage zum Programm des Keiphöfischen Stadtgymnasiums zu Königsberg i. Pr. Programm Nr. 9. Königsberg 1900. Nachdruck in: APG-FA Nr. 58 (1976), Bd. 7, S. 67-92

[Fritz von Farenheid (anonym publiziert)]: Friedrich Heinrich Johann von Farenheid. Eine biographische Skizze, in: Altpreußische Monatsschrift 9. (1872), S. 431-446

Helmut Besch: Farenheid, von Farenheid, in: Deutsche Stammtafeln in Listenform. Hg. durch die Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte e. V. in Leipzig. Bd. 1. Bearb. von Peter von Gebhardt. Leipzig 1927, Sp. 147-154.


Quellen:

1) Gerhard Lehmbruch: Mentalitäten, soziale Strukturen und regionale politische Kulturen im ländlichen Protestantismus Ostpreußens. Vorbemerkungen zu den Lebenserinnerungen des Pfarrers Friedrich Wilhelm Müller (1863-1941), in: Altpreußische Geschlechterkunde. Neue Folge. Bd. 40 (2010), S. 6

2) Fahrenheit (d), die Herren von, in: Neues Preussisches Adels-Lexicon oder genealogische und diplomatische Nachrichten von den in der preussischen Monarchie ansässigen oder zu derselben in Beziehung stehenden fürstlichen, gräflichen, freiherrlichen und adeligen Häusern, mit der Angabe ihrer Abstammung, ihres Besitzthums, ihres Wappens und der aus ihnen hervorgegangenen Civil- und Militärpersonen, Helden, Gelehrten und Künstler, bearbeitet von einem Vereine von Gelehrten und Freunden der vaterländischen Geschichte unter dem Vorstand des Freiherrn L. v. Zedlitz-Neukirch. Zweiter Band E - H. Zweite wohlfeile mit neuen Nachträgen und Verbesserungen vermehrte Ausgabe. Leipzig 1842, S. 153

 

Seite erstellt: 14.11.10

zuletzt geändert: 07.12.11