Friedrich Heinrich Johann von Farenheid (1780-1849)

 

Besonders einflussreich war Friedrich Heinrich Johann von Fahrenheid , der Sohn des Kriegsrats Friedrich Wilhelm Johann von Fahrenheid (1747 - 1834). In jungen Jahren studierte er bei Kant und dessen Schüler Christian Jakob Kraus Kameralwissenschaften, machte dann eine Bildungsreise durch Frankreich, England, die USA und die Schweiz, gehörte dann zum Kreis um Theodor Schön und engagierte sich im Widerstand gegen die napoleonische Besatzung. "Ernst Moritz Arndt hat berichtet, wie ihm dieser junge Gutsbesitzer im Winter 1813 in Königsberg in einem Kreis 'tapferer und begeisterter Jünglinge' begegnete, 'die dem Vaterlande in der Not nicht gefehlt haben'. Mehr noch als sein Vater wurde Friedrich Heinrich Johann Farenheid in der Provinz als rühriger landwirtschaftlicher Reformer bekannt."1) Er brachte den von seinem Vater erworbenen Grundbesitz, u.a. in Beynuhnen, zur wirtschaftlichen Blüte und baute die Vollblutzucht zum damals zweitgrößten Privatgestüt Europas aus. "Er schuf landwirtschaftliche Versuchsstationen und wurde Mitbegründer und Vorsitzender der 'Landwirtschaftlichen Gesellschaft für Litthauen und Masuren'. [...] Er war auch ein eifriger sozialkritischer Publizist und veröffentlichte in der liberalen 'Königsberger Hartungschen Zeitung' und anderwärts mancherlei Aufsätze zu gesellschaftspolitischen Fragen, zum Beispiel über den 'Pauperismus', die Probleme der Übervölkerung, und über das Thema, das ihm besonders am Herzen lag, die 'Begründung eines freiem und wohlhabenden Bauernstandes'. 1822 wurde er in die preußische Ständeversammlung berufen, und danach spielte er in den ostpreußischen Provinzialständen eine einflussreiche Rolle. Er war ein 'Altliberaler', dem es um eine 'Nationalrepräsentation' für Deutschland ging, hervorgegangen aus allgemeinen Wahlen, und um rechtsstaatliche Bindungen des staatlichen Handelns. Gegenüber weitergehenden Forderungen blieb er skeptisch, und gegen Ende seines Lebens haben ihn - wie viele Altliberale seiner Zeit - die demokratischen Tendenzen in der Revolution von 1848 erschreckt."1) Er hat den materiellen Grundstein für die künstlerischen Ambitionen der Familie gelegt und am Ende seines Lebens verfügt, dass sein Vermögen für Kunstsammlungen eingesetzt werde. 

"Friedrich Heinrich Johann von Fahrenheid studierte in Königsberg bei Kraus und Kant. Letzterer empfahl ihn nach Göttingen zu Lichtenberg und Heine. Nach absolviertem Triennium zog es ihn in die Ferne. Zuerst nach Frankreich, die Bretagne und Normandie wurden mit dem geliebten Pferd durchritten. Von Bordeaux schiffte er hinüber nach Amerika. Sechs lange Winterwochen dauerte die Seereise dorthin. In Charleston wurde gelandet. Präsident Jefferson zu Washington empfing den jungen Europäer. Die Bahnen zu New-Market und Epson bildeten den Pferdezüchter, die englischen Musterwirtschaften den Ökonomen, das öffentliche Leben den Politiker. 1806 kehrte von Fahrenheid zurück in die Heimat, um schon im nächsten Jahr die Angerappschen Güter zu übernehmen. Er vermählte sich mit Fräulein Wilhelmine Lehmann, der Schwester seines treuen Freundes und Reisegefährten, an deren Hand ihm ein stilles, eheliches Glück erblühte. Oberpräsident von Schön bezeichnete von Farenheid, mit welchem er innig befreundet war, die eigenartige Begabung seines Freundes, wenn er ihn den transcendenten Pferdezüchter nannte. Wachsam verfolgte von Farenheid den Gang der Separation. Die Regulierung der Bauernländereien ging ihm zu schnell vorwärts. Was er nicht ändern konnte, suchte er zu bessern. Mit unablässigem Eifer arbeitete er an der Hebung der acht Schulen. Das Scharwerk war ein Haupthindernis für die gedeihliche Entwicklung der Schule. Der beständige Wohnwechsel der Scharwerker machte den regelmäßigen Schulunterricht der Kinder unmöglich. Seine Bestrebungen gingen dahin, bei den Bauern die Liebe zur Scholle zu wecken. Um seinen Lebensabend türmten sich düstere Wolken, welche im Jahre 1848 das ganze Vaterland unheildrohend beschatteten. Sein Ende fand er nicht unter denen, für die er hauptsächlich gelebt hatte. Auf einer Reise hatte er sich erkältet und starb bei seinem Freund, dem Grafen Lehndorff zu Steinort, den 28. Februar 1849." (aus: Kurt Heinrich Gustav Lilleike: Wie war's - Mein Leben)


oo 30.03.1808 Ducherow mit Dorothea Karoline Wilhelmine Lehmann * 15.11.1778 Ducherow + 30.12.1847 Angerapp (zu Vorfahren und dem Nachfolgenden siehe: Helmut Walsdorff: "Wilhelmine von Fahrenheid geb. Lehmann und ihre Vorfahren", in: Altpreußische Geschlechterkunde. Neue Folge. Blätter des Vereins für Familienforschung in Ost- und Westpreußen. 31. Jahrgang, Bd. 14, 1983, S. 242-244)

Kinder: 

1. Ninette + 1811

2. Fritz, der Gründer der großen Kunstsammlungen in Beynuhnen, unverheiratet

3. Friederike oo J. F. Siegmund Bujack (Vater: Joh. Gottlieb Bujack,Oberlehrer am Friedrichskolleg in Königsberg), Gutsbesitzer auf Medunischken

4. Emilie oo Karl Ferdinand Voigdt (Pfarrer am Friedrichskollegium, später an der Sackheimer Kirche in Königsberg, besaß die Dombrowker Güter, siehe Biographie von M. Brunau aus dem Jahre 1935)

"[...] in der Bibliothek im Schloß Beinuhnen fanden sich neben sehr vielen Büchern über Fragen der Landwirtschaft auch etliche theologische Werke, es sei nur an die erste lutherische Dogmatik erinnert, die 'loci communes', die Melanchthon geschrieben hat, und die in einem recht schönen geprägten Lederband vorhanden war. Es waren die englischen Deisten vertreten mit schönen schweinsledernen Bänden, angefangen bei John Locke bis hin zu David Hume, vor allem stand da aber unter den mancherlei Manuskriptbänden ein dickleibiger Foliant mit Predigten, zweifellos aus der Lehmannschen Seite. Ihre genaue Durchsicht hätte vermutlich auch manchen Aufschluß zur Familiengeschichte geben können. Aber als diese Bücher, zunächst nur flüchtig und in kurzer Zeit, in einer Kartei registriert wurden, klirrten im Gutspark bereits die Waffen von Mars, und in kurzer Zeit und anders als 1914/15 rollten die Panzer durch das Land. Damals, im ersten Weltkrieg, so wird berichtet, zogen sich die Russen, die in das Schloß eingedrungen waren, in kindlicher Frömmigkeit zurück und schlugen das Kreuzeszeichen, als sie das Bild eines Heiligen sahen, jetzt aber versank alles hinter einem dichten undurchdringlichen Schleier."


Lit.: Loch: (Art.) von Farenheid, Friedr. Heinrich Joh., in: Altpreussische Biographie. Bd. I. Königsberg/Pr. 1936-1941. Nachdruck Marburg/Lahn 1974, S. 177

Quellen:

1) Gerhard Lehmbruch: Mentalitäten, soziale Strukturen und regionale politische Kulturen im ländlichen Protestantismus Ostpreußens. Vorbemerkungen zu den Lebenserinnerungen des Pfarrers Friedrich Wilhelm Müller (1863-1941), in: Altpreußische Geschlechterkunde. Neue Folge. Bd. 40 (2010), S. 7

 

Seite erstellt: 02.01.10

zuletzt geändert: 14.11.10