Friedrich Wilhelm Johann von Fahrenheid (1747-1834), "der Kriegsrat"

 

Er war durch sein starkes Engagement für die Modernisierung der von seinem Vater Friedrich Reinhold Fahrenheid übernommenen Güter bekannt. Die umfangreichen Begüterungen im Kreis Darkehmen waren die wirtschaftliche Grundlage für die Familie von Farenheit. 1794 verpfändete Anna Sophia Charlotte Reichsgräfin von Dönhof die 1793 von der Reichsgräfin v. Eulenburg übernommenen Dombrowkenschen Güter an Johann Friedrich Wilhelm von Farenheid auf Angerapp, der sie dann 1796 mit den Beynuhner Gütern von ihr kaufte. 

"Friedrich Wilhelm Johann von Fahrenheid, geb. 17. Februar 1747, trat trotz Drohungen und Warnungen seines Vaters [Friedrich Reinhold Fahrenheid ] unter die schwarzen Husaren. Mit Übernahme der Angerappschen Güter trat er aus dem Staatsdienst. Vom 24. April 1773 an war er Gutsbesitzer. So groß die Begüterungen im Laufe der Zeit wurden, er konnte von seinem eigenen Besitz von Beynuhnen nach Königsberg fahren und besaß außer verschiedenen Gütern jenseits Königsbergs noch die Herrschaft Flatow in Westpreußen. Überall fiel sein Auge hin, überall war er zu sehen, überall zugegen. In jüngeren Jahren war der lange, hagere Mann im grauen Rock unterwegs. Zu Pferde, im vorgerückten Alter auf schlechtem federlosen Wagen ging es auf holperigen, oft grundlosen Straßen von einem Gut zum anderen. Die Damen des Hauses folgten in einer schwerfälligen Kutsche, hinter welcher der Küchenwagen rumpelte. Noch in späteren Jahren, als sein Augenlicht schon erloschen war, lauschte sein Ohr den Schritten der vorübergehenden Leute. Dieselben wurden angehalten und scharf nach ihrem Tun und Treiben examiniert. Eine durchgreifende Reform in der Landwirtschaft bahnte er durch den Kleeanbau auf seinen Gütern an. Im Jahre 1781 ließ er roten Kleesamen, Luzernesamen und Esparettesamen zum versuchsweisen Anbau aus Leipzig kommen. Seit 1785 betrieb er Kleebau im Großen. Es ist eine bekannte Tatsache, daß mit Aufhebung der Hörigkeit viele Bauern zugrunde gingen. Die zu den von Fahrenheidschen Dörfern gehörigen Bauernhöfe waren zum Teil noch bis 1945 im Besitz der alten Wirtsfamilien, wozu auch der Hof der Nieswandts gehörte. Der Kriegsrath rettete damals seine Bauern vor der Hörigkeit, der Wucherer, indem er sie ihre Freiheit zu gebrauchen lehrte. Auch dem Schulwesen schenkte er viel Teilnahme. Wie sein Geschäftsleben, war auch sein Familienleben geordnet. Das Unglück des Vaterlandes hatte auch ihn in den Strudel hinein gerissen. Die traurigen Zeitverhältnisse brachten die Wirtschaft zurück, da die Lasten im unglücklichen Kriege fürchterlich waren. Um das Jahr 1800 war es ihm gelungen, viel Kapitalien zu 4,5 % aufzunehmen. Im Jahre 1807 wurden die meisten derselben rücksichtslos von ihm gefordert. Aus jenen Tagen der Not, der Verlust seiner Frau und dreier Kinder waren vorangegangen, aus einer Zeit, wo der hart geprüfte Mann den flüchtigen Fuß nach Polen setzen mußte, stammt ein Brief, aus dem christliche Demut, eiserner Charakter und hoher Geist dem Leser entgegenleuchtet. Nach den Befreiungskriegen verkaufte er einen Teil seiner Güter und machte den namhaften Teil derselben gänzlich schuldenfrei. Freilich soll er dabei nicht mit dem kaufmännischen Genie seines Vaters zu Werk gegangen sein. Er sah hauptsächlich auf seine Ehre und den Vorteil der Gläubiger. Es ist z. B. eine bekannte Tatsache, daß ihm eines seiner großen Güter aus einem Teile des Waldes bezahlt wurde, den der neue Besitzer herunterschlagen ließ. Die Herrschaft Flatow kaufte ihm am 6. August 1820 König Friedrich Wilhelm III. ab. Sein hoher Wert war übrigens an höchster Stelle anerkannt. 1786 wurde er geadelt, 1799 bot ihm der König Friedrich Wilhelm III. eine Standeserhöhung an. Eine Bitte seines damals neunzehnjährigen Sohnes genügte ihm, die ihm angetragene Ehre dankend abzulehnen. Seine letzten Tage waren dunkel, aber nicht trübe. Er war doch des Augenlichts beraubt, aber sein reger Geist arbeitete ständig an der Verbesserung seiner Güter. 88 Jahre alt, verschied er am 7. September 1834 in Beynuhnen." (aus: Kurt Heinrich Gustav Lilleike: Wie war's - Mein Leben)

Lit.: Loch: (Art.) Farenheid, Johann Friedr. Wilh., in: Altpreussische Biographie. Bd. I. Königsberg/Pr. 1936-1941. Nachdruck Marburg/Lahn 1974, S. 177

 

Seite erstellt: 02.01.10

zuletzt geändert: 14.11.10