Ernst Friedrich Fabian von Saucken (1791-1854)

 

1. Wikipedia-Artikel über die Familie von Saucken

"Ernst Friedrich Fabian v. S., geboren am 24. August 1791 in Wickerau, trat 1805 als Junker in das Dragoner-Regiment v. Esebeck (später 2. westpreuß. Dragoner-Regiment) ein, machte den Feldzug von 1807 im L’Estocq’schen Corps mit und befand sich unter den Truppen, die den König nach Memel begleiteten. Mit dem Hülfscorps, welches Preußen Napoleon stellte, ging er 1812 im 10. Armeecorps unter Macdonald nach Rußland. Er gehörte zu den jüngeren Officieren, welche auf dem Rückmarsch früh schon den Wunsch des Abfalls von Frankreich äußerten. Die Feldzüge von 1813/14 machte er im Corps Bülow’s mit; 1814 commandirte er als Secondlieutenant seine Schwadron. Im russischen Feldzug erwarb er den Orden pour le mérite, 1813 das Eiserne Kreuz 2., 1814 das 1. Classe. Im J. 1815 kam sein Regiment nicht mehr vor den Feind, rückte aber unter den Occupationstruppen in Frankreich bis Paris vor. Nach dem Friedensschluß erbat er den Abschied, der ihm mit dem Rang eines Rittmeisters bewilligt wurde. 1816 vermählte er sich in Oschersleben mit Luise v. Heyligenstädt und übernahm 1817 nach dem Tode seines Vaters die Bewirthschaftung der väterlichen Besitzungen. Erst 1825 fand eine Theilung derselben statt, bei der ihm Tarputschen zufiel. Den ererbten Besitz vermehrte er durch glückliche Käufe beträchtlich. Ein arabisches Gestüt, das er gründete, gewann später ein weit verbreitetes Ansehen. Früh betheiligte er sich an den öffentlichen Angelegenheiten. Auf dem ersten preußischen Provinziallandtag im J. 1825 ist er einer von den sechs Männern (außer ihm Graf Alex. Dohna, Th. v. Schön, v. Brandt, v. Farenheid, Obermarschall Graf Dönhoff), die der König durch Verleihung des Johanniterordens auszeichnet. Auf dem Huldigungslandtage von 1840 ist er stellvertretender Landtagsmarschall. Neben der Thätigkeit in den ständischen Versammlungen bemühte er sich direct auf den Monarchen einzuwirken. Schon zur Zeit Friedrich Wilhelm’s III. suchte er Vorstellungen bei Hofe durch dritte Hand anzubringen. An Friedrich Wilhelm IV. richtete er eingehende Schreiben, in denen er Beschwerden über staatliche und kirchliche Verhältnisse vortrug, und der König antwortete nicht weniger eingehend darauf. 1847 war er Mitglied des vereinigten Landtags und nahm hier eine bedeutende Stellung ein. Haym widmet ihm in seinen „Reden und Redner des ersten preußischen vereinigten Landtages“ (Berlin 1847), S. 162 ff. eine sympathische und lebhafte Charakteristik. Er gehörte hier ebenso wie sein Bruder August [...] zur ostpreußischen Opposition. Viel genannt ist der Zusammenstoß, den er mit Bismarck hatte. In die Frankfurter Nationalversammlung wurde er für den Wahlkreis Angerburg gewählt. Er schloß sich der Partei des „Hirschgrabens“ oder, wie sie später hieß, des „Casinos“ an. Wenngleich er sich in Frankfurt weniger als auf dem vereinigten Landtag als Redner bethätigte, so genoß er doch unter den Abgeordneten großes Ansehen. Man wählte ihn in die Deputation, die nach Wien gehen sollte, um den Erzherzog Johann zur Annahme des Reichsverweseramtes zu bewegen. Die Briefe, die er vom Parlament an seine Verwandten schrieb, sind sehr lehrreich; sie zeigen die Entwicklung von dem Enthusiasmus für den österreichischen Erzherzog als Reichsverweser bis zum Gegensatz gegen Oesterreich; eine starke preußische Grundstimmung war S. freilich von Anfang an eigen. Von Frankfurt aus richtete er einen Brief an den Prinzen von Preußen, in dem er ihn bat, den König zur Annahme der Kaiserwürde zu bewegen. Auch nachdem das Parlament sein Ende gefunden, hielt er die Ideale der Gagernschen Partei fest und warb eifrig für sie. Anfang 1850 wandte er sich von neuem an den Prinzen von Preußen und empfahl dringend die Entlassung des Ministeriums Manteuffel. Als jedoch die Dinge eine seinen Hoffnungen ganz entgegengesetzte Wendung nahmen (am 29. November wurde die Olmützer Punctation unterzeichnet), glaubte er einen erheblichen Nutzen fernerer politischer Thätigkeit nicht mehr erkennen zu können. Aus der ersten Kammer des Jahres 1849, in die man ihn gewählt hatte, war er bald wieder ausgetreten. 1850 nahm er zwar eine Wahl in die zweite noch an und blieb ihr Mitglied bis zum Jahre 1852. Indessen ist er in ihr nicht hervorgetreten und hat die Sitzungen, wie es scheint, nur ausnahmsweise besucht. Im J. 1853 erkrankte er und starb am 25. April 1854 in Tarputschen. Nach dem Tode seiner ersten Frau (1832) hatte er sich mit Pauline v. Below, der Schwester des späteren Generals Gustav v. B., vermählt. Eine andere Schwester desselben war die Gattin Wrangel’s.

In der „Deutschen Rundschau“ Bd. 109 (1901) habe ich den Briefwechsel von Ernst v. Saucken mit Friedrich Wilhelm IV., dem Prinzen von Preußen und seinem Schwager Gustav v. Below, im Juli-Heft des Jahrgangs 1905 derselben Zeitschrift seine Briefe aus dem Frankfurter Parlament an seine Gattin, in Westermann’s Monatsheften, Jahrgang 1902, einen von ihm verfaßten Bericht über den vereinigten Landtag veröffentlicht. S. [...] v. Bärensprung, Geschichte des 2. westpreußischen Dragonerregiments."1)


1) Reinhard Adam: (Art.) von Saucken-Tarputschen, Ernst Friedrich Fabian, in: Altpreußische Biographie. Bd. II Lieferung 5. Marburg/Lahn 1963, S. 593-594

siehe auch: Angerapper Heimatbrief 1970, S. 5-9 (noch nicht eingearbeitet)

Seite erstellt: 02.01.10

zuletzt geändert: 19.12.11