Anna von Zitzewitz

1. Artikel aus dem Ostpreußen-Blatt vom 25.01.1969:

Frau Anna von Zitzewitz-Weedern +

Sie meisterte ihr schweres Schicksal

Eine starke Persönlichkeit hat ihren Erdenlauf beendet: Frau Anna von Zitzewitz-Weedern, geb. von Sperber-Kleszowen. An Pflicht und Arbeit schon in ihren Mädchenjahren in Kleszowen gewöhnt, fiel ihr nach dem Tode des unvergeßlichen Eberhard von Zitzewitz-Weedern mit der Bewirtschaftung der Güter Weedern, Kleszowen und Broszeitschen und mit der Fortführung des in aller Welt bekannten Gestüts Weedern-Röseningken eine ungemein verantwortungsvolle, riesige Aufgabe zu, die einen ganzen Mann erfordert hätte. Frau Anna von Zitzewitz hat sie neben der Sorge für Kinder und Haus ein Jahrzehnt lang in anerkannt bewundernswerter Weise allein gemeistert.

Während der Vertreibung blieb ihr nichts erspart. Auf den Fluchtetappen gingen bedeutende Teile des herrlichen Gestüts verloren. Unverschuldetem Mißgeschick fiel auch von dem bis an die Weser geretteten Bestand noch Unwiederbringliches zum Opfer. Mit dem kleinen Rest ging Frau von Zitzewitz auf einem zerschossenen und verfallenen Hof am Rande des Heideschießplatzes Bergen unverzagt erneut ans Werk. Nach bbitteren Jahren begann dann ein gewiß auch nicht leichter Neuanfang in Katharinental in Holstein, wo die Tochter Erdmuthe der Mutter tatkräftig und zielbewußt zur Seite stand, während der verheiratete Sohn eine selbständige Pachtung in Niedersachsen übernommen hat.

Ein rückschauender Blick auf das heimatliche Ostpreußen, dem die Entschlafene aus Einwirkung und Überlieferung wohl das Bestimmende ihres Wesens verdankt, sei mir als dem letzten für Weedern zuständigen Landstallmeister noch kurz erlaubt. In Verfolg und Fortsetzung der Auffassungen ihrer beiden Familien Zitzewitz und Sperber blieb auch Anna von Zitzewitz eine überzeugte Anhängerin der ehemaligen preußischen Gestütsverwaltung und übertrug dies Zusammengehörigkeitsgefühl auch auf deren Vertreter in den für ihre Zuchtstätten maßgebenden Landgestüten Gudwallen-Georgenburg und ihre Leiter. Dienstlich und persönlich verlief das Vertrauensverhältnis zwischen der Herrin von Weedern-Kleszowen und mir während des Zeitraums 1937-1945 ohne die geringste Trübung, und auch seither erfuhr die Freundschaft unserer Häuser keinerlei Abschwächung. Voller Dank bekenne ich mich am Grabe der Verschiedenen zu meiner uneingeschränkten Verehrung. Auch die Pferdesportler und Reiterkameraden kann ich hier mit einbeschließen, denn als Fräulein von Sperber ritt Frau von Zitzewitz passioniert und erfolgreich Sprungkonkurrenzen auf ostpreußischen Turnieren.

Frau "Anana" war eine vielseitig interessierte, sehr gebildete, belesene und den schönen Künsten zugewandte Persönlichkeit. Es gab - nicht selten gewürzt von einer gewissen Neigung zu spöttelnder Überlegenheit - in ihrer Anwesenheit wertvolle Unterhaltungen, die nicht eindruckslos verrauschten. So bleibt auch in solcherlei rein menschlichen Beziehungen ein ehrendes und gefühlsbetontes Andenken gewahrt und über ihr Grabe hinaus erhalten. Möge ihr die Erde leicht sein!

Heling     

2. Artikel über das Gestüt Weedern und die Familie von Zitzewitz: Danach starb sie am 26.09.1968 im Alter von 74 Jahren.

 

Seite erstellt: 02.01.10

zuletzt geändert: ---